Öffentlicher Vortrag – Tatort Demokratie: Digitale Medien im Verdacht

Heute Vortrag am Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) von Prof. Ralph Schroeder (Oxford Internet Institute) und Prof. Andreas Jungherr (Universität Konstanz) mit anschließender Podiumsdiskussion über die Rolle digitaler Medien in der politischen Kommunikation.

Schlägt man dieser Tage eine Tageszeitung auf, schaltet in eine Diskussionssendung oder klickt auf Meinungsbeiträge in digitalen Medien, entsteht leicht das Bild, die Demokratie befände sich in einer Krise. Eine Krise ausgelöst durch digitale Medien. Die Gefahr von Filterblasen, Manipulation und Desinformation ist im öffentlichen Diskurs allgegenwärtig.

Die Veranstaltung nimmt das Spannungsverhältnis von Demokratie und der Rolle digitaler Medien in den Blick. Schädigen digitale Medien den politischen Kommunikationsraum oder werden sie zu Unrecht diskreditiert? Wie gehen etablierte Akteure sowie neue politische Kräfte mit digitalen Medien um, und mit welchen Folgen? Und welche Rolle spielt die Wissenschaft in Zeiten wachsender Unsicherheit und des Misstrauens?

In Ihrem Vortrag am Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) beleuchten Prof. Ralph Schroeder (Oxford Internet Institute) und Prof. Andreas Jungherr (Universität Konstanz) die Rolle digitaler Medien in der politischen Kommunikation und der öffentlichen Meinungsbildung. An der anschließenden Podiumsdiskussion nehmen Prof. Simon Hegelich (TU München) und Dr. Anna Sophie Kümpel (LMU) teil. Die Veranstaltung wird von Prof. Hannah Schmid-Petri (Universität Passau) moderiert.

Interview zum Thema des Vortrags.

Things are getting real!

Retooling Politics  Proofs

Coming to a book shop near you in June!

Andreas Jungherr, Gonzalo Rivero, and Daniel Gayo-Avello. 2020. Retooling Politics: How Digital Media are Shaping Democracy. New York: Cambridge University Press. (Coming in June).

“Retooling Politics” has a cover now!

The finish line comes into sight: We have a cover now!

Cover  Retooling Politics

Coming to a book shop near you in June!

Donald Trump, the Arab Spring, Brexit: Digital media have provided political actors and citizens with new tools to engage in politics. These tools are now routinely used by activists, candidates, non-governmental organizations, and parties to inform, mobilize, and persuade people. But what are the effects of this retooling of politics? Do digital media empower the powerless or are they breaking democracy? Have these new tools and practices fundamentally changed politics or is their impact just a matter of degree? This clear-eyed guide steps back from hyperbolic hopes and fears to offer a balanced account of what aspects of politics are being shaped by digital media and what remains unchanged. The authors discuss data-driven politics, the flow and reach of political information, the effects of communication interventions through digital tools, their use by citizens in coordinating political action, and what their impact is on political organizations and on democracy at large.

In the book, we talk about:

  1. The rise of digital media and the retooling of politics
  2. The flow of political information
  3. Reaching people
  4. The effects of political information
  5. Digital media and collective action
  6. Changing organizations
  7. Data in politics
  8. Digital media and democracy
  9. Digital media in politics.

Andreas Jungherr, Gonzalo Rivero, and Daniel Gayo-Avello. 2020. Retooling Politics: How Digital Media are Shaping Democracy. New York: Cambridge University Press. (Coming in June).

Syllabus: Die Analyse politischer Effekte Digitaler Medien – Methoden und Konzepte

Im Wintersemester 2019/2020 biete ich an der Universität Konstanz einen neuen Kurs zur Untersuchung politischer Effekte digitaler Medien an. Ziel des Kurses ist, Studierende mit der praktischen Untersuchung entsprechender Effekte vertraut zu machen. Wir beginnen mit der Diskussion möglicher Effekte in unterschiedlichen politisch relevanter Gesellschaftsbereiche:

  • Informationsfluss in zeitgenössischen Mediensystemen;
  • Kommunikation in politisch homogenen und heterogenen Kommunikationsumfeldern: Echo-Kammern und Filter-Blasen;
  • Politische Reden und Texte;
  • Aktivismus: Aktivierung der Desinteressierten oder Ermächtigung der Ermächtigten?
  • Demokratie.

Studierende werden aus diesen Themenbereichen individuelle Fragestellungen erarbeiten und diese anhand von passenden Datensätzen im Verlauf des Semester in Gruppenarbeit untersuchen. Hierbei liegt ein Schwerpunkt des Seminars in der Vertrautmachung vielfältiger Effektarten, Datensätzen und Untersuchungsstrategien.

Kursbeschreibung:

Digitale Medien beeinflussen eine immer größere Zahl politischer Prozesse und Bereiche. Die Untersuchung ihrer spezifischen Charakteristiken und Effekte ist damit eine Kernaufgabe zeitgenössischer Politikwissenschaft. In diesem Seminar lernen Studieren- de, relevante Konzepte, Methoden und Datensätze für die Analyse unterschiedlicher politischer Effekte digitaler Medien kennen. Hierbei liegt der Schwerpunkt des Seminars darauf, dass Studierende lernen, Konzepte und theoretische Wirkungsannahmen zu ope- rationalisieren und anhand bestehender oder von ihnen erhobenen Datensätze empirisch zu untersuchen. Vorkenntnisse in der Nutzung quantitativer empirischer Methoden und der Nutzung von Programmen zur computergestützten Datenanalyse sind empfohlen. Prüfungsleistungen bestehen aus Präsentationen im Seminar, in Gruppenarbeit entwickelter Forschungsdesigns und der Abgabe einer empirischen Hausarbeit nach Ende des Seminars.

Lernziele: Studierende lernen ihre Erwartungen der Effekte digitaler Medien in der Politik in empirische Untersuchungsdesigns zu übersetzen und diese anhand empirischer Daten und Methoden umzusetzen.

[Seminarplan]

Syllabus: Methoden der Sozialwissenschaftlichen Text- und Bildanalyse

Im Wintersemester 2019/2020 biete ich an der Universität Konstanz einen neuen Kurs zur sozialwissenschaftlichen Arbeit mit Text- und Bilddaten an. Gleichzeitig wird der Kurs auch von Oliver Posegga an der Universität Bamberg für Studierende der Wirtschaftswissenschaft angeboten. Der Kurs zielt darauf, Studierende mit der praktischen Durchführung von interdisziplinären Forschungsprojekten auf Basis von Text- und Bilddaten vertraut zu machen. Hierfür werden wir in interdisziplinären Kleingruppen mit Teilnehmern beider Standorte an durch Studierende selbst entwickelten Projekten arbeiten. Die Forschungsprojekte fallen grob in die Bereiche:

  • Aktivismus;
  • Online-Kulturen: Flaming, Hatespeech und Gruppendynamik;
  • Politische Reden und Texte;
  • Skandale;
  • Verzahnung von Medienberichterstattung und Onlinekommunikation.

Studierende werden aus diesen Themenbereichen individuelle Fragestellungen erarbeiten und diese anhand von Text- oder Bilddaten aus unterschiedlichen Quellen (wie zum Beispiel Medienberichte, Parteiprogramme oder Social Media Dienste) im Verlauf des Semester untersuchen.

Kursbeschreibung:

Immer mehr Teile gesellschaftlichen Lebens werden durch Text dokumentiert. Dies öffnet unterschiedlichen Wissenschaften, wie zum Beispiel den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, neue Forschungsbereiche oder zumindest neue Perspektiven auf alte Fragen. Die Digitalisierung hat diesen Prozess verstärkt. Sie erlaubt nicht nur die Bereitstellung und Untersuchung großer Textmengen, sie schafft auch neue Form von textlicher Begleitung gesellschaftlichen Lebens, z. B. in Form von Social Media oder automatisierten Transkripten von Audio- oder Videoinhalten. In Ergänzung zu diesen neuen Textdaten gibt es auch viele etablierte Textarten, die vielversprechende Analyseobjekte darstellen; seien es z. B. die alltägliche Medienberichterstattung und öffentlich verfügbare Anschlusskommunikation in Form von Kommentaren oder offizielle Dokumente (wie z. B. Transkripte von Parlamentsdebatten, Gesetzestexte und Verordnungen oder offizielle Presseerklärungen). Solche und andere Textarten können sowohl quantitativen als auch qualitativen Analysedesigns als Grundlage dienen. Unabhängig des gewählten Forschungsdesigns stehen Forscher und Forscherinnen vor einer Reihe grundlegender Fragen, die sie im Ablauf ihrer Analysen bewusst beantworten müssen.

In diesem Seminar werden Studierende mit grundlegenden Verfahren der sozialwissenschaftlichen Textanalyse vertraut gemacht. Hierbei liegt der Schwerpunkt des Seminars darin, Studierende in Kleingruppen ein selbstgewähltes Forschungsprojekt durchlaufen zu lassen. Im Rahmen dieses Projektes lernen sie praktisch die typischen Entscheidungspunkte der Forschung auf Basis von Textdaten kennen und erfolgreich zu lösen. Entsprechend bestehen die Prüfungsleistungen des Seminars aus Präsentationen, verschiedener praktischer Übungen im Semesterverlauf und der Abgabe einer empirischen Hausarbeit nach Ablauf des Seminars.

[Kursplan]

[Projektwebseite]

New Publication: Digital Media and the Surge of Political Outsiders

Ralph Schroeder, Sebastian Stier, and I have a new article out in Social Media + Society. In “Digital Media and the Surge of Political Outsiders: Explaining the Success of Political Challengers in the United States, Germany, and China“, we argue that digital media neutralize two former monopolies in structuring political discourse and political coordination and mobilization. In the past, these monopolies allowed media and political organizations to channel politics.

This allowed them to arbitrate which political voices and options reached the public thereby filtering out challenges to the political status quo. On the plus side, this contributed to a more or less civil political discourse and kept extremists from establishing viable organizational challenges. On the negative side, this also limited the opportunities of legitimate but underrepresented voices to provide alternatives to the political status quo. By breaking these monopolies digital media extend the space of political competition for the good but also for the bad.

In the article, we discuss cases from China, Germany, and the USA how political outsiders have attempted to use digital media to mount a viable challenge to the political status quo thereby strengthening the position of outsiders across political and media systems.

A broadening of the spectrum of political discourse does not mean that extreme factions will win or stay in power. Instead of witnessing a decline of democracy driven by digital media, we are observing the erosion of institutions that kept discourse artificially restricted.

While the future of political competition might be noisier and less polite than we are currently used to, opening up the space of political competition might also be an invigorating stimulus that contemporary social conditions demand.

Abstract: There has been a recent surge of political actors and groups challenging the legitimacy of established political institutions and mass media. We argue that this wave is no accident; rather, it is driven by digital media. Digital media allow outside challengers to route around social institutions that structure political discourse, such as parties and legacy media, which have previously held a monopoly on political coordination and information distribution. Digital media have weakened the power of these institutions, allowing outsiders to maintain extreme positions that formerly would have been filtered out or suppressed by institutions structuring political discourse. In this article, we explicate mechanisms linking digital media to the rise of outsiders by discussing the successes of a diverse set of challengers fighting for attention and representation in the different political contexts of the United States, Germany, and China. We thus provide a novel explanation that systematically accounts for the political consequences of digital media.

Andreas Jungherr, Ralph Schroeder, and Sebastian Stier. Digital Media and the Surge of Political Outsiders: Explaining the Success of Political Challengers in the US, Germany and China. Social Media + Society 5(3): 1-12. doi: 10.1177/2056305119875439.