Forschungsaktivität zur Rolle des Internet in der politischen Kommunikation

Die Rolle des Internets in der politischen Kommunikation ist eine Schlüsselfrage moderner Kampagnenführung und der Bildung öffentlicher Meinung. Internationale Kampagnen und Politiker müssen sich die grundsätzliche Frage stellen, welche digitalen Werkzeuge sie wie in ihre Kampagnen einbinden, wie sie digitale Kommunikation für die Darstellung und Vermittlung ihrer Politik oder ihrer Wahlkampfbotschaften nutzen können und wie sie ihre Organisationsstrukturen den Möglichkeiten und Anforderungen der Digitalisierung anpassen können. Zusätzlich gehören internetbasierte Dienste zu den wichtigsten Vermittlern politischer Information. Sie sind das Tor, durch das immer mehr Menschen politische Informationen bewusst selektieren oder durch das sie zufällig auf diese stoßen. Das Internet und digitale Dienste sind also Kernelemente politischer Kommunikation unserer Zeit. Wie spiegelt sich diese zentrale Bedeutung in den damit befassten wissenschaftlichen Feldern der Politik- und Kommunikationswissenschaft?

Um einen Eindruck der Rolle des Internets in der politischen Kommunikation in den zentralen Debatten der Politik- und Kommunikationswissenschaft zu gewinnen, habe ich mit einer wissenschaftlichen Hilfskraft thematisch relevante Artikel und Buchbesprechungen in zentralen Zeitschriften der beiden Fächer gesammelt. Hierfür haben wir die Archive von 25 zentralen Zeitschriften der Politik- und Kommunikationswissenschaft auf Artikel und Buchreviews zum Thema Nutzung des Internets und digitaler Werkzeuge in der politischen Kommunikation und in Wahlkämpfen durchsucht.

Bei der Auswahl relevanter Zeitschriften nutzten wir das ISI Web of Knowledge und den dort ausgewiesenen Impact Faktor für Zeitschriften für das Jahr 2014. Aus den Kategorien Politik- und Kommunikationswissenschaft identifizierten wir jeweils die 20 am besten gerankten Zeitschriften nach ihrem Impact Faktor im Jahr 2014 und dem für dasselbe Jahr ausgewiesenen Fünfjahres Impact Faktor. Der Impact Faktor ist ein umstrittener Wert in der Einschätzung des Einflusses von Zeitschriften. Dennoch bietet er für die Untersuchung der Frage nach der Zahl themenrelevanter Artikel und Buchbesprechungen in zentralen Publikationsorganen der Politik- und Kommunikationswissenschaft ein inhaltlich überzeugendes und transparentes Entscheidungskriterium für die Wahl relevanter Publikationen. Für die hier dargestellte Analyse wurden alle Hefte der ausgewählten Zeitschriften berücksichtigt, die von Anfang 1990 bis Mitte August 2016 veröffentlicht wurden. Tabelle 1 zeigt einen Überblick über die berücksichtigten Zeitschriften und die jeweils berücksichtigten Ausgaben.

Title Erste Ausgabe Letzte Ausgabe
African Affairs 1990: 89(354) 2016: 115(460)
American Journal of Political Science 1990: 34(1) 2016: 60(3)
American Political Science Review 1990: 84(1) 2016: 110(2)
Annual Review of Political Science 1998: 1 2016: 18
British Journal of Political Science 1990: 20(1) 2016: 46(3)
Communication Research 1990: 17(1) 2016: 43(6)
Communication Theory 1991: 1(1) 2016: 26(3)
Comparative Political Studies 1990: 22(1) 2016: 49(9)
European Journal of Political Research 1990: 18(1) 2016: 55(3)
Information Communication & Society 1998: 1(1) 2016: 19(10)
International Journal of Press/Politics 1996: 1(1) 2016: 21(3)
Journal of Broadcasting & Electronic Media 1990: 43(1) 2016: 60(2)
Journal of Communication 1990: 40(1) 2016: 66(4)
Journal of Computer-Mediated Communication 1995: 1(1) 2016: 21(4)
Journal of Politics 1990: 52(1) 2016: 78(3)
New Media & Society 1999: 1(1) 2016: 18(7)
Party Politics 1995: 1(1) 2016: 22(4)
Perspectives on Politics 2003: 1(1) 2016: 14(2)
Political Behavior 1990: 12(1) 2016: 38(3)
Political Communication 1990: 7(1) 2016: 33(3)
Political Psychology 1997: 18(1) 2016: 37(4)
Politics & Society 1990: 18(1) 2016: 44(3)
Politische Vierteljahresschrift 2000: 41(1) 2016: 57(2)
Public Opinion Quarterly 1990: 54(1) 2016: 80(2)
Publizistik 2000: 45(1) 2016: 61(3)

Tabelle 1: Berücksichtigte Journale

Die Identifizierung relevanter Artikel lief in drei Schritten ab. In einem ersten Schritt durchsuchte eine wissenschaftliche Hilfskraft die online verfügbaren Inhaltsverzeichnisse der 25 relevanten Zeitschriften und wählte jeden Artikel und jede Buchbesprechung aus, die ihr thematisch relevant erschienen. In einem zweiten Schritt durchsuchte ich über die Suchmasken der Zeitschrift-Archive nach Artikeln, die im Titel oder im Abstract einen aus einer Reihe von thematisch relevanten Begriffen verwendeten. Für diese Suche verwendete ich die folgenden Begriffe und Wortstämme in einer Booleschen Suche: internet OR blog OR website* OR facebook OR twitter OR weblog* OR digital OR email* OR e-mail*. Die auf diese beiden Schritte hin identifizierten Artikel und Besprechungen untersuchte ich in einem letzten Schritt noch einmal auf ihre thematische Relevanz.

Hierbei identifizierten wir 238 thematisch relevante Artikel und 78 besprochene Bücher mit thematischer Relevanz. Die so identifizierten Artikel und Bücher bilden zwar bei weitem nicht alle relevanten und einflussreichen Texte mit Themenbezug ab. Dennoch ist dieses Vorgehen gut geeignet, einen ersten Blick auf die Stellung des Themenkomplexes in zentralen Zeitschriften der Politik- und Kommunikationswissenschaft und dessen zeitliche Entwicklung zu geben.

Zahl wissenschaftlicher Artikel zur Rolle des Internets in der Politischen Kommunikation

Abbildung 1: Zahl Artikel pro Jahr (n=238)

Abbildung 1 zeigt die Zahl thematisch relevanter Artikel, die in den ausgewählten Zeitschriften von 1996 bis August 2015 veröffentlicht wurden. Die Jahre von 1990 bis 1995 wurden zwar in der Recherche berücksichtigt, aber nicht ausgewiesen, da in diesem Zeitraum in den betrachteten Zeitschriften keine thematisch relevanten Artikel erschienen. Wir sehen, dass von 1996 bis 1999 jährlich nur ein bis zwei thematisch relevante Artikel erschienen. Zwischen 2000 und 2008 stieg die jährliche Zahl der Artikel auf zwischen 5 und 10. Von 2009 an haben wir einen stetig steigenden Trend, der seit 2015 bei knapp über 30 thematisch relevanten Artikeln im Jahr vorläufig gipfelt. Dieser Anstieg verläuft in etwa parallel zur stetig zentraler werdenden Rolle des Internets in der politischen Kommunikation. Alternativ kann er aber auch als Konsequenz des Auftretens thematisch auf das Internet konzentrierter Zeitschriften, wie zum Beispiel des Journal of Computer-Mediated Communication, New Media & Society oder Information, Communication & Society, gelesen werden. Dies wird dadurch gestützt, dass diese Zeitschriften in den letzten Jahren die Zahl ihrer Ausgaben pro Jahr von vier auf sechs bzw. von acht auf zwölf erhöht haben. Damit ist der verfügbare Raum für Publikationen mit einem Schwerpunkt auf Onlinekommunikation sprunghaft gestiegen. Auch dies spricht für die gesteigerte wissenschaftliche Bedeutung des Themas.

Zahl Bücher zur Rolle des Internets in der politischen Kommunikation

Abbildung 2: Zahl besprochene Bücher pro Jahr (n=78)

Im Kontrast hierzu bleibt die Zahl der jährlich besprochenen Bücher relativ konstant. Abbildung 2 zeigt zwar auch Schwankungen in der Zahl jährlich besprochener Bücher, aber ein klarer Trend lässt sich hier nicht ablesen. Auch hier wurden die Jahre von 1990 bis 1995 in der Recherche berücksichtigt, aber nicht ausgewiesen, da in diesem Zeitraum in den betrachteten Zeitschriften keine thematisch relevanten Bücher besprochen wurden. Von 1999 an wurden jährlich etwa vier bis acht thematisch relevante Bücher besprochen. Im Gegensatz zu thematisch relevanten Artikeln findet sich hierbei kein eindeutiger Wachstumstrend.

Zahl wissenschaftlicher Artikel zur Rolle des Internets in der politischen Kommunikation je Zeitschrift

Abbildung 3: Artikel pro Zeitschrift (n=238)

Abbildung 3 zeigt die Zahl der thematisch relevanter Artikel, die auf die einzelnen Zeitschriften entfiel. Hier sehen wir sofort, dass es sich um eine massiv verzerrte Verteilung handelt. Fast die Hälfte aller relevanter Artikel entfällt auf nur drei Zeitschriften—New Media & Society, Information, Communication & Society und Journal of Computer-Mediated Communication, bei denen es sich um Zeitschriften mit dem thematischen Schwerpunkt Onlinekommunikation handelt. Traditionelle kommunikationswissenschaftliche Zeitschriften—Political Communication, The International Journal of Press/Politics und Journal of Communication—steuern fast ein weiteres Drittel der relevanten Artikel bei. Politikwissenschaftliche Zeitschriften scheinen die Rolle des Internets in der politischen Kommunikation jedoch weitgehend zu ignorieren—hier stellt Party Politics eine leichte Ausnahme dar.

Als Fazit dieser Betrachtung können wir festhalten, dass die Rolle des Internets in der politischen Kommunikation über die letzten Jahre in zentralen Zeitschriften der Kommunikationswissenschaft verstärkt untersucht wird. Dieser Anstieg wird jedoch überwiegend durch Artikel in thematisch auf Onlinekommunikation konzentrierten Zeitschriften getragen. Dennoch zeigen auch traditionelle kommunikationswissenschaftliche Zeitschriften Interesse an dem Themenkomplex. Für die Politikwissenschaft muss allerdings festgestellt werden, dass die Rolle des Internets in der politischen Kommunikation weitgehend ignoriert wird. Ein möglicher Grund hierfür ist unter Umständen das generell schwache Interesse der zeitgenössischen Politikwissenschaft an politischer Kommunikation und mangelnde konzeptionelle Arbeit, die die Nutzung des Internets und digitaler Werkzeuge an aktuelle Themenkomplexe der Politikwissenschaft knüpft.

Syllabus: Conceptualizing and Measuring Effects of Political Communication in International Comparison

This upcoming semester in Konstanz, I will be taking my political communication course for another spin. In Konstanz, I will focus the course more strongly on the conceptual and comparative aspects of political communication research. Also, I slightly redesigned the syllabus to account for some of the current concerns in the field.

The course starts with introducing students to central issues of comparative research and conceptualization. Following this, we will discuss central ideas on how and why people are using media. Here, we will focus on the uses & gratifications approach, selective exposure and potentially resulting political polarization, and the two step flow of communication and opinion leaders. Building on this, we will discuss a small selection of central models of potential communication effects. Here we will focus on agenda setting, framing effects, cultivation, and the spiral of silence. The course will close with a discussion of a small selection of prominent research areas of political communication research: media frames, the connection between media systems and political knowledge, election campaigns, and mobilization and persuasion.

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