Tag Political Participation

New publication: More than opinion expression – Secondary effects of intraparty referendums on party members

In 2015, Alexander Wuttke, Harald Schoen, and I had the chance to test the effects of a party referendum party members. Of course back then, we had no idea that this question would be so central to public debate as it has become in the context of the upcoming SPD party member referendum. The results have now published in the article More than opinion expression: Secondary effects of intraparty referendums on party members in Party Politics.

In collaboration with the Berlin state-branch of Germany’s CDU, we surveyed party members before and after an important membership referendum on same-sex marriage. Our study shows that the referendum increased members’sense of party-specific efficacy. In addition, the referendum provided party members with information on elite positions and stimulated leadership evaluation based on issue congruency. In combination, involvement in intraparty decision-making promotes beliefs and behaviors among party members that are relevant to uphold a vivid and empowering party life.

Distribution of party-specific political efficacy before and after the party referendum.

Abstract: As political parties expand opportunities for intraparty participation, understanding the effects of participatory events on party actors becomes ever more important. In this study, we investigate the consequences of an intraparty referendum in a state branch of Germany’s Christian Democratic Union on beliefs and attitudes of party members. We use longitudinal survey data bracketing a nonbinding issue referendum on the party’s stance on same-sex marriage. Our analysis shows that the referendum had secondary effects that went beyond the referendum’s primary goal of delivering an informal opinion poll to the party leadership. The experience of having a say in an important policy decision fostered members’ sense of party-specific efficacy. Furthermore, the referendum provided party members with information on elite positions and stimulated leadership evaluation based on issue congruency. Altogether, involvement in intraparty decision-making promotes beliefs and behaviors among the rank and file that are relevant to uphold a vivid and empowering party life.

Influence of respondent’s position toward same-sex marriage on evaluation of politician.

Alexander Wuttke, Andreas Jungherr, and Harald Schoen. 2017. More than opinion expression: Secondary effects of intraparty referendums on party members. Party Politics (Online First). doi:10.1177/1354068817745729 [Replication Data]

Neuer Artikel zu Twitter in der deutschen Politik

Heute erscheint in der Zeitschrift Internationale Politik ein neuer Artikel von mir zu der Nutzung von Twitter durch deutsche Politiker, Aktivisten und Journalisten. Der Text ist gibt einen schnellen Überblick und versucht einige systematische Nutzungsmuster aufzuzeigen.

Andreas Jungherr. 2013. “Schleppender Beginn: Deutsche Politiker entdecken Twitter nur zögerlich.” Internationale Politik 2013 März/April: 54-59. [Preprint]

Gastbeitrag für politik-digital.de: “Die Rückkehr der Freiwilligen: Die steigende Bedeutung von GOTV in amerikanischen Kampagnen”

Für politik-digital.de habe ich einen kurzen Gastbeitrag über die Bedeutung des personalisierten GOTV in US-Kampagnen geschrieben:

Die Rückkehr der Freiwilligen: Die steigende Bedeutung von GOTV in amerikanischen Kampagnen

Wer mehr Informationen zu diesem Thema erfahren möchte seien die aktuellen Arbeiten von Rasmus Kleis Nielsen ( “Ground Wars: Personalized Communication in Political Campaigns“) und Sasha Issenberg (“The Victory Lab: The Secret Science of Winning Campaigns”) empfohlen.

The German federal election of 2009: The challenge of participatory cultures in political campaigns

Today my article “The German federal election of 2009: The challenge of participatory cultures in political campaigns” was published in a special issue on Fan Activism of the journal “Transformative Works and Cultures” edited by Henry Jenkins and Sangita Shresthova. In the article I present three case studies from the campaign for the federal election of 2009 in Germany.

Abstract: Increasingly, political actors have to act in online communication environments. There they meet overlapping networked publics with different levels of participatory cultures and varying expectations of participation in the (re)making and co-production of political content. This challenges political actors used to a top-down approach to communication. Meanwhile, online users are increasingly politically involved as legislatures all over the world become more active in regulating communication environments online. These new political actors often share participatory practices and have high levels of new media skills. Now they are challenged to adapt these bottom-up participatory cultures to the traditional political environment. This paper examines these adaption processes by examining three examples from the campaign for the German federal election of 2009. These examples include the attempt of Germany’s conservative party (CDU) to encourage their supporters to adapt participatory practices, the German Social Democrats’ (SPD) top-down production and distribution of online content that mimicked the look and feel of user-generated content, and the bottom-up emergence of political flash mobs.

Andreas Jungherr. 2012. “The German federal election of 2009: The challenge of participatory cultures in political campaigns.” Transformative Works and Cultures 10. doi:10.3983/twc.2012.0310.

Social Media Nutzung in öffentlichen Verwaltungen

Für die aktuelle Ausgabe des Magazins move moderne verwaltung habe ich einen Artikel zu den Chancen und Herausforderungen der Nutzung von Social Media in öffentlichen Verwaltungen geschrieben. Das Heft ist inzwischen erschienen und den Artikel kann der geneigte Leser hier finden.

Andreas Jungherr. 2012. “Spannende Ergänzung.” move moderne verwaltung 10(2): 30-33.

Vier Thesen zu politischer Online-Partizipation anlässlich des Politcamp11

Nächste Woche ist mal wieder Zeit für das Politcamp, diesmal in Bonn. Am kommenden Sonntag werde ich auf dem von Alexander Kurz moderierten Panel “Partizipation und Community Management. Nutzen Parteien den Rückkanal?” mit Tobias Nehren, Jürgen Ertelt und Julius van de Laar über die Netzaktivitäten der deutschen Parteien diskutieren. Nachdem Cem Basman bereits mit einem Panel-Vorschlag für das Barcamp vorgelegt hat möchte ich in Anlehnung an Mathias Richels steile Thesen zum letzten Politcamp die Diskussion mit den folgenden vier nicht ganz so steilen Thesen starten. Hierfür noch einmal, leicht paraphrasiert, die Leitfragen des Panels:

Warum entstehen die sichtbarsten politischen Online-Initiativen in Deutschland nicht in den Parteizentralen sondern dezentral? Kann man daraus auf ein Versagen der Parteien im Netz schliessen?

These 1: Erfolge von Online Initiativen können als Ergebnisse eines politische Seismographen gelesen werden

Im Internet drehen sich Konversationen nicht um Organisationen sondern um Personen, Objekte oder Themen. Wenn politische Kampagnen im Netz Geschwindigkeit gewinnen, dann geschieht dies häufig in bereits bestehenden Interessen-Communities (z.B. in der Kommentarspalte eines Blogs) oder in den privaten Netzwerken von Betroffenen. Häufig werden Menschen online spontan politisch aktiv, die ansonsten mit Politik nicht viel zu tun haben. Nicht langfristige Einbindung in politische Prozesse oder Organisationen motiviert sondern plötzliche Ereignisse oder Themen, die in den ansonsten unpolitischen Alltag einbrechen. Und so wird auf Kommunikationswegen dieses Alltags lautstark politische Zustimmung oder Ablehnung kommuniziert. So ist es auch kein Wunder, dass im Netz erfolgreich ist was routinierte Berufspolitiker und Hauptstadtjournalisten spontan erst einmal als Nichtthemen einordnen würden. Einige Beispiele: Netzsperren-Petition, Yeaahh-Flashmobs, My-Gauck, S21 Gegner, GuttenPlag Wiki, zu Guttenberg Unterstützer.

Diese Initiativen entstanden neben dem üblichen politischen Prozess und ihr Erfolg war in der Regel sowohl für Politiker, Medien als auch häufig für die Initiatoren selbst überraschend. Auch wenn einige dieser Initiativen im Umfeld von Parteien entstanden oder nach Anfangserfolgen von etablierten Parteien und Politikern unterstützt wurden, ist das nicht der Grund für ihren Erfolg. Stattdessen sprachen diese Initiativen Themen an, die durch den politischen Betrieb vernachlässigt wurden, die aber die Unterstützer der Initiativen für wichtig hielten. Der Erfolg einzelner Online-Initiativen lässt sich also wie ein politischer Seismograph lesen.

These 2: Die Stärkung von Online-Partizipation ist zur Zeit eine Ermächtigung der Ermächtigten

In Deutschland haben Bürger Interesse an der politischen Partizipation über Online-Kanäle. Diese Bürger stellen aber keinen repräsentativen Ausschnitt der Gesamtbevölkerung dar. Stattdessen zeigen Nutzungsstudien von Online-Partizipationskanälen, dass diese in der Regel von einer politisch aktiveren, formal besser gebildeteren und männlicheren Bevölkerungsgruppe genutzt wird als dem Schnitt der Bundesbürger (vgl. z.B. Linder und Riehm 2011, Marschall 2011). Eine politische Stärkung von Online-Partizipation ist also zur Zeit wohl eine Ermächtigung der Ermächtigten.

These 3: In Deutschland wird das Internet von der Bevölkerung überwiegend noch nicht als Medium der politischen Partizipation gesehen

Im Gegensatz zu den USA ist das Internet in Deutschland noch kein dominierendes Medium für Bürger, um sich über Politik zu informieren. Die Mannheimer Forscher Thorsten Faas und Julia Partheymüller fanden in einer Untersuchung zur politischen Onlinenutzung während des Bundestagswahlkampf 2009, dass nur 18,8% der von Ihnen Befragten in der Woche bevor dem Befragungszeitpunkt mindestens an einem Tag das Internet genutzt hatte, um sich über den Wahlkampf zu informieren (Faas und Partheymüller 2011). Ähnliche Ergebnisse finden sich in Studien, die sich mit der aktiven politischen Partizipation über Soziale Netzwerkplattformen befassen (vgl. z.B. von Pape und Quandt). Das Internet wird also zur Zeit von den meisten Deutschen nicht als Medium für politische Information oder Partizipation gesehen.

These 4: Der Schwerpunkt des parteipolitischen Community-Managements liegt offline ganz richtig

Für einen Großteil der deutschen Parteimitglieder und Unterstützer ist das Telefon, der Bürgerbrief oder der Besuch der Bürgersprechstunde eines Politikers immer noch der bevorzugte Weg für politisches Feedback. Solange dies so bleibt, solange sind Parteien und Politiker gut beraten, auch weiterhin den Schwerpunkt ihres Community-Managments offline zu sehen.

Literatur:

Thorsten Faas und Julia Partheymüller (2011) “Aber jetzt?! Politische Internetnutzung in den Bundestagswahlkämpfen 2005 und 2009,” In: Eva Johanna Schweitzer und Steffen Albrecht (Hrsg.): Das Internet im Wahlkampf. Analysen zur Bundestagswahl 2009. Wiesbaden: VS Verlag. S. 119 – 135. DOI: 10.1007/978-3-531-92853-1_4.

Ralf Lindner und Ulrich Riehm (2011) “Broadening Participation Through E-Petitions? An Empirical Study of Petitions to the German Parliament,” Policy & Internet: Vol. 3: Iss. 1, Article 4. DOI: 10.2202/1944-2866.1083

Stefan Marschall (2011) “Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat,” Aus Politik und Zeitgeschichte, B 61, S. 40-46.

Thilo von Pape und Thorsten Quandt (2010) “Wen erreicht der Wahlkampf 2.0? Eine Repräsentativ-studie zum Informationsverhalten im Bundestagswahlkampf 2009,” Media Perspektiven, 9/2010, S. 390-398.

[Update: 2011/06/06]
Bei Blogfraktion habe ich die These 2 noch etwas ausführlicher formuliert: “Wer hat, dem wird gegeben: Politische Beteiligung im Internet“.

re:publica XI: Politische Klicks

re:publica 11Nun ist die diesjährige Auflage der re:publica gekommen und gegangen. Begleitet wurde sie diesmal von heftiger Medienaufmerksamkeit und einer etwas bemüht scheinend Kontroverse um die Vereinsgründung der “Digitalen Gesellschaft” unter dem Vorsitz von Markus Beckedahl. Leider war dies dann auch schon das spannendste Thema der Konferenz.

Für mich war es dieses Jahr die erste re:publica, die ich besuchte. Mir fehlt also der Vergleich zu den Konferenzen der letzten Jahre. Allerdings muss ich sagen, dass ich die Vorträge in diesem Jahr nur semispannend fand. Wenig Neues. Es scheint fast als hätte sich in den netzpolitischen Aufregungen von 2009 die Innovationsenergie des deutschsprachigen Netzes erst einmal für die folgenden Jahren verbrannt. Es müsste doch inzwischen möglich sein, über mehr zu sprechen als vermeintliche Revolutionen oder vermutete Potentiale diverser neuer oder weniger neuer Online-Dienste. So ganz allein scheine ich mit dieser Einschätzung nicht zu sein.

Andreas Jungherr auf der re:publica 2011
(cc) Jonas Fischer/re:publica

Am Donnerstag hielt ich einen Vortrag mit dem Titel “Politische Klicks: Nutzungsdynamik des deutschen E-Petitionssystems“. In dem Vortrag stellte ich die Ergebnisse einer Studie von Pascal Jürgens und mir zu Nutzerverhalten auf der E-Petitionsplattform des Deutschen Bundestags vor. Hier die Präsentation:

Wer an mehr Informationen zu der Untersuchung interessiert ist wird bei dem Open Access Journal Policy & Internet fündig. Dort haben Pascal Jürgens und ich die Ergebnisse ausführlich in dem Artikel “The Political Click: Political Participation through E-Petitions in Germany” dokumentiert.

Speaking at re:publica XI about E-Petitions in Germany

Just got word, that my presentation proposal for this year’s re:publica has been accepted. I’ll be presenting some of the results of the work Pascal Jürgens and I did on the usage data of the German Bundestag’s E-Petition platform. So, see you in Berlin.

re:publica 11

Interview on the Use of Social Media by Political Activists

The Russian news agency Rosbalt recently published an interview with me on the use of social media by political activists. The interview was lead by Yulia Netesova. The original interview can be found here (in Russian). Here follows an English version:

1) How important is the fact that social media became a tool for grassroot-rioting?

Protesters use social media channels for the distribution of information. This information is used internally to organize the protest (for example: Where and when do we meet? Where is the police? What are the reactions of the politicians?) as well as externally to get news and pictures of the protests to an international public. Both these functions are not new. A few years ago protesters used mobile phones to achieve similar goals. The widespread use of social media introduces a new speed and scale to the process. This facilitates the decentralized organization of a protest and increases the international visibility of protesters and the reactions to them by governments. Still, this does not make social media the trigger or reason for the protests.

2) What kind of changes will this bring? Should we get ready for the age of censorship on behalf of the scared governments?

A growing adoption of social media tools by activists will lead to a higher international visibility of their causes. While traditional news media in the West largely ignored the Egyptian protests an international public was kept aware of the daily developments by social media channels. Also the internationally accessible video stream on the website of Al Jazeera was a very important source of documentation. Social media channels lead to a circumvention of news selection biases in the West, which in turn massively increased the visibility of the protests. This phenomenon is likely to increase. Also the use of social media tools allows protesters to document themselves and thus avoid the filter of traditional news organizations. The iconic potential of pictures taken with camera phones during protests was demonstrated during the recent protests in Iran and will likely reassert itself during the ongoing protests in Tunisia, Egypt, India, and Yemen.

The attempt of the Egyptian government to defuse the protests by cutting access to the internet has been largely futile. Thus it probably serves more as an example of the limited effect that censorship attempts by governments hold than as an use case for future events.

3) Are you enthusiastic or skeptic about the instrumentalization of the social media by the revolutionaries?

On the one hand it is inspiring to see how activists are able to use social media tools to organize collective action, on the other hand the widespread use of these tools can also increase the volatility of public opinion and thus negatively effect the stability of states. Right now it is easy to applaud the protests since they address issues in the countries in question that are widely seen as negative (i.e. corruption, authoritarian style of government) but there is no guarantee that these tools will only be used by political actors who follow commonly accepted goals. Social media tools are themselves no agents for good or evil. Their role in stabilizing or destabilizing states will always depend on the goals of the actors who use them.

4) How important were the social media in triggering those events (in Egypt, Tunisia, India, Yemen)? Were the riots spontaneous or orchestrated via social media?

It is to early to answer what the role of social media was in triggering these events. Again, I do not think that social media were the trigger let alone reason for the protests. For those one has to look at the situation in each of the countries in question. It seems likely though that social media tools helped to distribute the news of successful protests in Tunisia to other countries. Egypt, India, and Yemen were also, albeit for different reasons, in a volatile state. So maybe the news of the events in Tunisia helped to inspire activists in those countries to take to the streets and get their country specific demands heard.

5) How justified are the claims that behind the social media are the western powers who use them in order to bring change in authoritarian countries?

Again, it is to early to answer this question. Personally I tend to doubt the claims that Western powers orchestrated social media protest to achieve regime change in authoritarian countries. It seems to me much more likely that the protests are emergent phenomena, that started in each country out of different reasons. The common theme is their successful use of the internet as a communication medium. But this common element should not lead us to underestimate the different reasons and motivations between the protests. To assume Western powers as conductors of these events seems to me an oversimplification of the events.