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Workshop zu Twitternutzung im politischen Aktivismus bei der reCampaign 2014

Ich freue mich sehr, dass mich die Organisatoren der diesjährigen reCampaign zu einem Workshop über die Nutzung von Twitter durch politische Aktivisten eingeladen haben. Der Workshop findet am 24. März ab 16:30 in den Räumen der Heinrich Böll Stiftung in Berlin statt. Mein Impulsvortrag wird wesentlich auf den Ergebnissen eines Artikels basieren, in dem ich zusammen mit Pascal Jürgens die Twitternutzung durch Aktivisten während der Proteste gegen Stuttgart 21 untersuchte. Hier das Abstract des Workshops und einen Link zu dem Artikel.

Twitter Nutzung für den politischen Aktivismus: Das Beispiel #s21

Twitter ist zu einem Standard-Element im Werkzeugkasten politischer Aktivisten und Aktivistinnen geworden. Allerdings werden die tatsächlichen Funktionen des Dienstes für politischen Aktivismus selten diskutiert. Dieser Workshop wird einige dieser Funktionen am Beispiel der Proteste gegen Stuttgart 21 diskutieren. Wichtig ist hierbei zwischen Potentialen von Twitter für die Dokumentation, Koordination und taktischen Durchführung von Protesten und den Potentialen für die symbolische Sichtbarmachung von Unterstützung für die Anliegen von Aktivisten zu unterscheiden. Beides wir im Fall von Stuttgart 21 deutlich. Zusätzlich soll in dem Workshop diskutiert werden, ob es Kampagnen gibt, die sich für die Unterstützung durch Twitter besonders anbieten und wie sich Twitter in die Arbeit von NGOs einbinden lässt.

Andreas Jungherr und Pascal Jürgens. 2013. “Through a glass, darkly: tactical support and symbolic association in Twitter messages commenting on Stuttgart 21.” Social Science Computer Review (Online First).

Neuer Artikel zu Twitter in der deutschen Politik

Heute erscheint in der Zeitschrift Internationale Politik ein neuer Artikel von mir zu der Nutzung von Twitter durch deutsche Politiker, Aktivisten und Journalisten. Der Text ist gibt einen schnellen Überblick und versucht einige systematische Nutzungsmuster aufzuzeigen.

Andreas Jungherr. 2013. “Schleppender Beginn: Deutsche Politiker entdecken Twitter nur zögerlich.” Internationale Politik 2013 März/April: 54-59. [Preprint]

Social Media Nutzung in öffentlichen Verwaltungen

Für die aktuelle Ausgabe des Magazins move moderne verwaltung habe ich einen Artikel zu den Chancen und Herausforderungen der Nutzung von Social Media in öffentlichen Verwaltungen geschrieben. Das Heft ist inzwischen erschienen und den Artikel kann der geneigte Leser hier finden.

Andreas Jungherr. 2012. “Spannende Ergänzung.” move moderne verwaltung 10(2): 30-33.

Das Internet für Landtagskandidaten

Die CDU NRW hat mich in einem kurzem Interview gefragt warum und wie Landtagskandidaten das Internet und Social Media im Wahlkampf nutzen sollten.

Welche Rolle spielt das Internet im Landtagswahlkampf? Was heißt das z. B. für mich als Landtagskandidat?

Untersuchungen über die letzten zehn Jahre haben immer wieder gezeigt, dass überwiegend politisch interessierte Menschen das Internet nutzen, um sich politisch zu informieren oder zu beteiligen. Die meisten Menschen, die politische Webseiten besuchen, haben ein grundsätzliches Interesse an Politik, das sie auf politische Webseiten führt. Oder sie sind durch ein Ereignis (z.B. ein Wahlplakat, Medienbericht oder ein Treffen mit dem Kandidaten) zum Seitenbesuch angeregt worden.

Empirische Studien zeigen, dass zufällige oder politisch uninteressierte Menschen deutlich seltener politische Webseiten besuchen als politisch interessierte Menschen. Für einen Landtagskandidaten heißt dies, dass seine Internetpräsenz (z.B. die Webseite, Facebook-Profil, YouTube Kanal) eine spannende Möglichkeit ist, politisch interessierte Menschen zu erreichen. Bei der Gestaltung der Webseite und ihrer Inhalte ist es sinnvoll, sich an den Interessen dieser Besuchergruppe zu orientieren. In der Regel sind die Besucher von politischen Webseiten politische Unterstützer, politisch Interessierte aber in ihrer Wahlentscheidung noch Unentschlossene, und Journalisten. Kandidaten sollten darauf achten, dass ihre Webseite für diese Personen interessante Information leicht zugänglich anbietet.

Informationen über den Kandidaten (z.B. Persönliches, politische Leistungen, politische Ziele), Informationen über den Kampagnenverlauf (z.B. Berichte über Kampagnenereignisse, kommende Termine, Links zu Zeitungsartikel, die über die Kampagne oder den Kandidaten berichteten, oder auch Beiträge des Kandidaten selbst), Pressemitteilungen und Kontaktmöglichkeiten sollten direkt von der Startseite her erreichbar sein und regelmäßig aktualisiert werden.

Nutzt ein Kandidat auch andere Internetdienste (z.B. Facebook, Twitter oder YouTube) dann sollte auf die jeweiligen Profile auch direkt von der Startseite aus hingewiesen werden. Eine bewusst gestaltete und regelmäßig aktualisierte Webseite ist für Landtagskandidaten der günstigste Weg, politisch interessierten Menschen ihre Kandidatur zu begründen und sie unabhängig von der Berichterstattung der örtlichen Medien über den Kampagnenverlauf zu informieren. Bedingung hierfür ist allerdings, dass es Kandidaten interessierten Menschen leicht machen Ihre Internetangebote zu finden. Dies kann einerseits durch die technische Gestaltung der Seite geschehen, bei der darauf geachtet werden sollte, dass sie suchmaschinenfreundlich programmiert wurde, anderseits bedeutet dies jedoch auch, dass der Kandidat bei der Gestaltung von klassischen Kampagnenmitteln und öffentlichen Auftritten immer auch auf seine Internetseite hinweisen sollte.

Wozu und wann brauche ich als Landtagskandidat einen eigenen Twitter-Account oder Facebook-Profil bzw. eine Facebook-Fanseite?

Ein Profil auf einer Sozialen Netzwerkseite wie zum Beispiel Facebook oder Twitter kann für Landtagskandidaten eine interessante Ergänzung zu der klassischen Webseite darstellen. Mit einem Facebook-Profil oder einem Twitter-Account erleichtern Kandidaten interessierten Nutzern dieser Dienste den direkten Kontakt mit ihnen. Auch hier gilt, die meisten Netzwerk-Nutzer, die “Freund”, “Fan” oder “Follower” eines Politikers werden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits politisch interessiert.

Auch auf den Sozialen Netzwerkseiten kommunizieren Politiker also eher mit Unterstützern, Kritikern, Journalisten und einigen politisch Interessierten, aber unter Umständen noch in der Wahlfrage unentschlossenen Menschen. Sozialen Netzwerkseiten können für Landtagsabgeordnete aber nicht nur zur Kommunikation genutzt werden, sondern auch zur Koordination von Freiwilligen im Wahlkampf vor Ort. Wie nützlich Soziale Netzwerkseiten allerdings tatsächlich im Einzelfall sind, hängt stark von Wahlkampfstil des Kandidaten,der Internetnutzung seiner Unterstützer und der Netznutzung im Wahlkreis ab.

Muss ich diese Accounts selber pflegen?

Soziale Netzwerkseiten haben den Vorteil, dass sie ihren Nutzern einen direkten Zugang zu Politikern erlauben. Hier sind natürlich Politiker interessanter, die auf Fragen und Kommentare antworten und die ihre Beiträge selber schreiben. Sicher kann es gerade im Wahlkampf sinnvoll sein, dass Mitarbeiter des Kandidaten oder Mitglieder aus dem Unterstützerteam einzelne Beiträge auf den Profilen des Kandidaten veröffentlichen. Diese sollten dann aber auch entsprechend markiert werden.Wenn diese Beiträge allerdings die Mehrzahl aller Beiträge auf einem Profil ausmachen besteht die Gefahr, dass so das Profil für Unterstützer uninteressant wird.

Wie gehe ich mit kritischen Kommentaren um, z. B. auf der Facebook-Seite, im Blog, bei YouTube etc.? Löschen, beantworten, freischalten?

Vor kritischen Kommentaren online sollte man sich genauso wenig fürchten wie vor Kritik offline. Gerade der Wahlkampf ist die Zeit für den Austausch unterschiedlicher politischer Positionen. Dass sich dieser Austausch nun auch auf die Online-Angebote von Politikern ausweitet ist wenig überraschend.

Kritische Kommentare auf ihren Online-Angeboten sollten Kandidaten freischalten. In der Folge sollte der Profilinhaber oder seine Unterstützer dann aber auch mit eigenen Kommentaren auf diese Kritik reagieren. Eine Ausnahme sind hier beleidigende Kommentare, die man natürlich nicht veröffentlichen muss.

Was für eine Meldung/Ereignis ist es wert, in den sozialen Netzwerken veröffentlicht zu werden? Schreibe ich nur Politisches oder auch Privates?

Auf Sozialen Netzwerkseiten gibt es keinen Nachrichtenwert einzelner Beiträge. Erlaubt ist was gefällt. Und was gefällt bestimmen die “Freunde”, “Fans” und “Follower” im Zusammenspiel mit dem Inhaber des Profils. Bei der Entscheidung welche Art von Beiträgen sie veröffentlichen wollen sollten sich Kandidaten von ihrem eigenen Gefühl leiten lassen.

Manche Kandidaten arbeiten in ihrer Kampagne stark mit ihren persönlichen Eigenschaften und Attributen. Für sie kann die Veröffentlichung von eher persönlichen Beiträgen gut zu ihrem restlichen Kampagnenstil passen. Andere Kandidaten rücken eher Themen und die politische Arbeit in das Zentrum ihrer Kampagne. Für diese Kandidaten passen inhaltliche oder politische Beiträge wahrscheinlich besser zu ihrem gewohnten Kampagnenstil. Kandidaten müssen allerdings selber testen welche Art von Beiträgen von ihren Kontakten auf Sozialen Netzwerkseiten auf positive Reaktionen stösst und welche Beiträge eher ins Leere laufen. Da hier jeder Kandidat und jede Unterstützergruppe unterschiedlich ist, gibt es keine Lösung, die für alle Kandidaten passt.

Das Interview im Original gibt es auf der Seite der CDU NRW.

4 Thesen zu Onlinetools und Politik zum Demokratiekongress 2012

Kommenden Montag werde ich in Jena während des Demokratiekongress 2012 der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema “Partei 2.0 – Kommunikation, Parteien und digitale Gesellschaft” mit Tankred Schipanski und Mario Voigt über Facebook, Blogs und Twitter in der Politik diskutieren. Hier vier Thesen zum Thema:

1. Soziale Netzwerkdienste erlauben es ihren Nutzern, sich durch die Kommunikation über für sie interessante Themen zu vernetzen. Diese so entstandenen Netzwerke formen sich in der Regel nicht entlang politischer Sympathien sondern an der Lebenswirklichkeit und den Interessen der Nutzer.

2. Wird in diesen Netzwerken über politische Themen kommuniziert, so müssen dies nicht die Themen sein, die gleichzeitig auf der Medienagenda stehen. Auch entspricht die Form der Kommunikation über Politik nicht den Regeln der medialen Berichterstattung. Es wird über das kommuniziert was den Nutzern wichtig ist und es wird so kommuniziert wie es den Nutzern gefällt.

3. In diesen Netzwerken sind Politiker solange Teilnehmer solange sie als Menschen kommunizieren. Nutzen sie ihre Facebookseite oder ihr Twitterfeed nur als einen zusätzlichen Verbreitungskanal für ihre politischen Botschaften so bleiben sie wenn sie Glück haben Objekt der Kommunikation, wenn sie Pech haben bleiben sie unbeachtet.

4. Die Öffentlichkeit und die Zählbarkeit von Beiträgen oder Kontakten in Sozialen Netzwerkdiensten führt dazu, dass die spontanen Reaktionen Nutzern dieser Dienste von Medien gerne genutzt werden, um Zustimmung oder Ablehnung zu politischen Themen darzustellen. Hier muss die Gesellschaft lernen wie diese Reaktionen zu interpretieren sind.

[Update 2012/02/16]
Andreas Mehlich schreibt auf Jenapolis über den Demokratiekongress: Partei 2.0 – Kommunikation, Parteien und digitale Gesellschaft.
Bericht der KAS über den Demokratiekongress 2012.

Interview on the State of Online Campaigning in Germany

Last Thursday Philipp Albrecht interviewed me for politik-digital.de on the state of online campaigning in Germany. We talked about some recent examples of successful online campaigns by political parties in Germany. In addition we discussed general functions of online elements in German campaigns: Die Zeit des Kampagnen-Twitterns ist vorbei.