Für die aktuelle Ausgabe des Magazins move moderne verwaltung habe ich einen Artikel zu den Chancen und Herausforderungen der Nutzung von Social Media in öffentlichen Verwaltungen geschrieben. Das Heft ist inzwischen erschienen und den Artikel kann der geneigte Leser hier finden.
Die CDU NRW hat mich in einem kurzem Interview gefragt warum und wie Landtagskandidaten das Internet und Social Media im Wahlkampf nutzen sollten. Das Ergebnis gibt es hier.
1. Soziale Netzwerkdienste erlauben es ihren Nutzern, sich durch die Kommunikation über für sie interessante Themen zu vernetzen. Diese so entstandenen Netzwerke formen sich in der Regel nicht entlang politischer Sympathien sondern an der Lebenswirklichkeit und den Interessen der Nutzer.
2. Wird in diesen Netzwerken über politische Themen kommuniziert, so müssen dies nicht die Themen sein, die gleichzeitig auf der Medienagenda stehen. Auch entspricht die Form der Kommunikation über Politik nicht den Regeln der medialen Berichterstattung. Es wird über das kommuniziert was den Nutzern wichtig ist und es wird so kommuniziert wie es den Nutzern gefällt.
3. In diesen Netzwerken sind Politiker solange Teilnehmer solange sie als Menschen kommunizieren. Nutzen sie ihre Facebookseite oder ihr Twitterfeed nur als einen zusätzlichen Verbreitungskanal für ihre politischen Botschaften so bleiben sie wenn sie Glück haben Objekt der Kommunikation, wenn sie Pech haben bleiben sie unbeachtet.
4. Die Öffentlichkeit und die Zählbarkeit von Beiträgen oder Kontakten in Sozialen Netzwerkdiensten führt dazu, dass die spontanen Reaktionen Nutzern dieser Dienste von Medien gerne genutzt werden, um Zustimmung oder Ablehnung zu politischen Themen darzustellen. Hier muss die Gesellschaft lernen wie diese Reaktionen zu interpretieren sind.
For this year’s general conference of the ECPR in Reykjavik Darren Lilleker [@DrDGL] from the University of Bournemouth and I are hosting a panel on uses of social media in political campaigns. If you are interested in this topic and have some work done on it please consider reacting to this call for papers:
Supporter Networks, Blogs, Tweets, and YouTube Videos: Political Campaigns Online
Social media tools have become common features in election campaigns around the world. Still, their adoption varies from country to country and campaign to campaign. This offers a valuable opportunity for researchers interested in political communication and political campaigns. Campaigns exist in specific political, cultural and technological contexts. These contexts determine the way political actors use social media tools in their campaigns. By comparing online campaigns in different countries and of different political leanings we can learn more about the nature of political communication online independent of specific local contexts. To this end the panel “Supporter Networks, Blogs, Tweets, and YouTube Videos: Political Campaigns Online” invites papers that examine recent political campaigns and their use of online channels and social media tools in their specific political, cultural or technological contexts. Questions that might be addressed are: Which social media tools did the campaign in question choose to use and why? How were these decisions grounded, in specific local contexts or advice from international campaigning professionals? Did the campaign achieve its goals and how was this evaluated? From a methodological perspective we are open to different approaches, be it in the form of qualitative case studies, quantitative analysis or work based on the digital methods approach. Also we invite papers that connect specific campaigns to concepts from communication theory, be it for example a discussion in the context of professionalization, mobilization, the digital divide or political learning.
Die CDU Onlinekampagne für die Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen: Ein Zwischenstand
Eine Präsentation gehalten während des Politcamp 2010 in Berlin am 21. März 2010.
Während des Politcamp 2010 in Berlin präsentierte ich am 21. März den aktuellen Zwischenstand der CDU Onlinekampagne zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai 2010. Dies ist eine ausformulierte und leicht erweiterte Version meiner Präsentation.
Disclaimer: Ich berate die Onlinekampagne der CDU Nordrhein-Westfalen.
Nach den guten Erfahrungen mit Onlineunterstützerteams im Hessenwahlkampf wird auch in NRW der Großteil der Onlineaktivitäten von einem freiwilligen Unterstützerteam organisiert. Die Lektionen des hessischen webcamp09 sind die Basis für das NRW Onlineunterstützerteam NRW für Rüttgers.
Die dort gesammelten Videos sind fast ausschließlich von Freiwilligen produziert. Eine Ausnahme stellt die Vorstellung des Freiwilligen-Teams dar.
Bisher lassen sich die Videos überwiegend drei Themengruppen zuordnen. Die für deutsche Onlinekampagnen wahrscheinlich am innovativsten Videos sind regelmäßige direkte Videobotschaften des Generalsekretärs der CDU Nordrhein-Westfalens Andreas Krautscheid.
In diesen Videobotschaften stellte er sich seinen Unterstützern vor,
reagierte spontan auf tagesaktuelle Entwicklungen,
oder rief zu thematischen Aktionen auf.
Ein anderes viel genutztes Format ist die Vox Populi. In diesen von Freiwilligen konzipierten, gedrehten und geschnittenen Videos werden Menschen aus Nordrhein-Westfalen auf der Straße zu ihrer Meinung zu tagesaktuellen Themen gefragt.
Zusätzlich begleiten wir mit Videos klassische politische Veranstaltungen.
Zusätzlich zu diesem von dem Untersützerteam NRW für Rüttgers genutzten YouTube Kanal gibt es einen YouTube Kanal der CDU Nordrhein-Westfalen auf dem von CDU NRW-TV produzierte Videos präsentiert werden.
Wurde noch in der Kampagne zur Bundestagswahl 2009 von der CDU große Aufmerksamkeit auf die Erstellung und den Betrieb der teAM 2009 Online-Community gelegt, so werden viele dieser Funktionen in der Onlinekampagne zur Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen durch die Nutzung von Facebook sicher gestellt.
Zentrum unserer Aktivitäten auf Facebook ist das von uns betriebene Facebook Fanprofil für Jürgen Rüttgers, das mit der Unterstützerseite NRW für Rüttgers verknüft ist.
Zusätzlich hierzu ist die CDU Nordrhein Westfalen auch mit einem weiteren Fanprofil auf Facebook vertreten:
Ein weiterer Unterschied zur Bundeskampagne liegt in unserer Nutzung der VZ-Netzwerke. Während die Bundeskampagne noch grosse Energie auf Aktionen um das Edelprofil der Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendete, so betreiben wir zwar ein Edelprofil für Jürgen Rüttgers, fokusieren unsere Aktivitäten jedoch auf Facebook.
Zusätzlich hierzu nutzt die Kampagne auch Twitter mit dem Account @NRWRuettgers:
Auf diesem Account twittern die Unterstützer Ulrich Gelsen #ug [@gelsen], David J. Ludwigs #dl [@cronenbuerger] und Florian Braun #fb [@flobraun]. Um der Unpersönlichkeit eines Teamfeeds zu entgehen nutzen wir eindeutig zugewiesene Hashtags, so dass zu jeder Zeit nachvollziehbar ist welcher der Autoren gerade twittert.
Über den Twitter Account @NRWRuettgers twittert das Unterstützteam von Veranstaltungen,
Generell ist uns die Interaktion um unsere Beiträge gleich auf welchem Kanal sehr wichtig. Auch wenn manchem die Zeit von dem posten eines Kommentars und seiner Freischaltung etwas zu lange dauert wir freuen uns über Kommentare und Aktivität um unsere Beiträge. Zeigt dies doch, dass wir mit unserem Angebot auf Interesse stossen und Debatten auslösen.
Die oben beschriebenen Elemente der Onlinekampagne sind für uns zur Zeit die wichtigsten Bausteine, auf die wir den Großteil unserer Aufmerksamkeit konzentrieren. Zusätzlich zu diesen Onlineangeboten findet die Kampagne aber auch auf anderen Onlinekanälen statt: Flickr, CDU Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers und CDU NRW/Blog.
Für eine Diskussion weiterer Aspekte der Onlinekampagnen zur Landtagswahl 2010 in Nordrhein-Westfalen haben Oliver Zeisberger für die SPD und ich für die CDU im Westen ein Interview gegeben. Dieses Interview ist eine gute Ergänzung zu dieser Beschreibung unserer Kampagnenelementen.
[Update 2010/04/04]
Dieser Beitrag wurde inzwischen ebenfalls sowohl auf dem CDU NRW / Blog als auch auf dem Blog Homo Politicus veröffentlicht.
Oliver Zeisberger betreut mit seiner Agentur den Onlinewahlkampf der NRW SPD während ich das Onlineunterstützerteam der CDU Nordrhein-WestfalenNRW für Rüttgers berate.
For a short glance at the argument have a look at the presentation. The full paper can be found here.
Andreas Jungherr (2009) ‘Digital channels, the change in community structures and its consequences for social participation’. Paper presented at the ISEA 2009: International Symposium for the Electronic Arts, University of Ulster, Belfast, UK on 23 August – 1 September 2009.
In his inaugural lecture “The End of the Virtual: Digital Methods” Richard Rogers who holds the Chair of New Media & Digital Culture at the University of Amsterdam proposes a shift in internet research:
“The issue no longer is how much of society and culture is online, but rather how to diagnose cultural change and societal conditions using the Internet.”
Rogers: The End of the Virtual. p. 8
For Rogers too much of research focuses on the differences between on- and offline culture. He sees the reason for this in the methods with which researchers from the humanities and the social sciences approach the internet. Rogers’ critiques the use of surveys, interviews and other approaches that proved succesfull in offline research. He collects these methods under the term virtual methods. To him the exclusive use of these virtual methods leads to an unnessary concentration of research on just a few topics and would even mislead in the quest to advance our understanding the internet.
“The argument advanced here is that virtual methods and user studies in the social sciences and the humanities have shifted the attention away from the data of the medium, and the opportunities for study of far more than online culture.”
Rogers: The End of the Virtual. p. 6
To remedy this situation Rogers advances the notion of methods based on online groundedness. Instead of imposing research approaches from differenct context on internet research he proposes a research approach that uses the epistemology of the internet as methodological basis. Rogers calls these methods digital methods:
“For the third era of Internet research, the digital methods program introduces the term online groundedness, in an effor t to conceptualize research which follows the medium, captures its dynamics, and makes grounded claims about cultural and societal change. Indeed, the broader theoretical goal of digital methods is to rethink the relationship between the Web and the ground.”
Rogers: The End of the Virtual. p. 8
Rogers suggests that through the use of digital methods we will be able to use the internet as a data source that informs on social processes offline that until now remained hidden.
“The conceptual point of departure for the research program is the recognition that the Internet is not only an object of study, but also a source. Knowledge claims may be made on the basis of data collected and analyzed by devices such as search engines. [...] It thereby challenges existing methods of data collection [...], and reopens the discussion of the Web as anticipatory medium, far closer to the ground than one might expect.”
Rogers: The End of the Virtual. p. 8
Rogers’ text is also a timely reminder that there is more to a science of the web than just the analysis of opportunity data sets. The richness of data collected on Twitter or Facebook can serve as basis for original research (for an example of an analysis based on data sets collected on Twitter see for example Drew Conway’ s post “SNA in R Talk, Updated with [Better] Video “; for research based on Facebook data sets see “How to split up the US” by Pete Warden). In the short term analyses like these can provide original and valuable insights. Still, if this research is not conducted in a larger research context we risk losing sight of the bigger picture.
But Roger’s text does not only offer interesting perspectives to researchers coming from a data perspective. “The End of the Virtual” also offers an interesting advancement to researchers coming from the humanties or the social sciences. Rogers directs their focus away from shiny “new” phenomena on the web towards the data structure behind these phenomena. This might curb the enthusiasm of some research but at the same time advance our knowlegde about the web at large and the conditions of social action online.
The End of the Virtual can be found either in bookform here or a pre-print of the lecture as pdf on Richard Rogers’ website.
Disclaimer: Richard Rogers sent me a free copy of his “The End of the Virtual”.
Pascal Jürgens and Andreas Jungherr (2009) ‘Twittering Dissent: Social Web Data Streams as Basis for Agent Based Models of Opinion Dynamics’, in: Martin Welker, Holger Geißler, Lars Kaczmirek, Olaf Wenzel (eds.), 11th General Online Research Conference, GOR 09: Proceedings, Vienna, p. 81.