Category Interviews

Which Political Side Profits from the Internet?

For a piece in The New York Times on the role of the internet in democracies, Thomas B. Edsall reached out for a quick assessment of which political forces tend to profit from digital technology:

It seems to me this is not a question about ideological placement but more about organizational or movement strategy. As long as I am in opposition, the payoff is higher in investing in digital infrastructure and thereby channeling the activities and enthusiasm of my supporters than when in power. So I would expect a re-emergence of political activity, for example in the form of alternative news sources, on the liberal side in the coming years.

Thomas B. Edsall. How the Internet Threatens Democracy. The New York Times. 2017/03/02.

Interview: WDR 5 Töne, Texte, Bilder – Twitter ist keine Glaskugel

Anlässlich der Twitter-Studie für die Konrad-Adenauer Stiftung sprach ich am Samstag mit Anja Backhaus vom Medienmagazin des WDR 5. In dem Interview geht es um die Nutzung von Twitter und digitalen Spurendaten in der politischen Kommunikation.

Andreas Jungherr im Interview mit Anja Backhaus: Twitter ist keine Glaskugel WDR 5 Töne, Texte, Bilder – Das Medienmagazin. 02/07/2016.

Interview bei CICERO Online zur Rolle des Internets im Wahlkampf

In einem Interview mit Cicero Online habe ich heute noch einmal über die Rolle des Internets in deutschen Wahlkämpfen gesprochen.

Eine der Kernaussagen betrifft die Art wie wir in Deutschland die Rolle des Internets in Kampagnen diskutieren:

Die öffentliche Debatte über die Rolle des Internets ist in Deutschland noch immer viel zu provinziell. Auf der einen Seite haben wir Berater, die das Thema hochjubeln und übersteigerte Erwartungen wecken, auf der anderen Seite Journalisten, die es kaputtschreiben. Beide Gruppen schauen auf die USA und sind enttäuscht, wenn ihre Wahrnehmung der Rolle des Internets im US-Wahlkampf so in Deutschland nicht umgesetzt wird. Dadurch vernachlässigen wir in der öffentlichen Diskussion leider die tatsächlichen Funktionen, die das Internet für Parteien und Kandidaten in Deutschland erfüllt.

Eine andere Frage bezog sich darauf was man in Deutschland aus dem US-Wahlkampf lernen kann:

(…) hierzulande verlässt man sich im Online-Wahlkampf noch zu sehr auf anekdotisches Expertenwissen. Die Amerikaner versuchen sehr viel stärker, entscheidende Elemente der Kampagnenführung messbar zu machen. Sie probieren viel mehr aus, beobachten genau, welche Methoden funktionieren und passen sich dann an. Dieses datengestützte, analytische Vorgehen könnte man auch in Deutschland mit großem Gewinn umsetzen.

Andreas Jungherr im Interview mit Merle Schmalenbach: Wahlkampf Online: Die Wahl wird nicht im Internet entschieden. CICERO Online. 20/09/2013.

Interview im Deutschlandfunk zur Rolle des Internets im Bundestagswahlkampf 2013

Heute Morgen habe ich im Deutschlandfunk mit Thielko Grieß über die Nutzung des Internets durch die Parteien im kommenden Bundestagswahlkampf gesprochen.

Andreas Jungherr im Gespräch mit Thielko Grieß: “Parteien nutzen Online um offline zu mobilisieren.” Deutschlandfunk: Informationen am Morgen. 13/07/2013.

Das Internet für Landtagskandidaten

Die CDU NRW hat mich in einem kurzem Interview gefragt warum und wie Landtagskandidaten das Internet und Social Media im Wahlkampf nutzen sollten.

Welche Rolle spielt das Internet im Landtagswahlkampf? Was heißt das z. B. für mich als Landtagskandidat?

Untersuchungen über die letzten zehn Jahre haben immer wieder gezeigt, dass überwiegend politisch interessierte Menschen das Internet nutzen, um sich politisch zu informieren oder zu beteiligen. Die meisten Menschen, die politische Webseiten besuchen, haben ein grundsätzliches Interesse an Politik, das sie auf politische Webseiten führt. Oder sie sind durch ein Ereignis (z.B. ein Wahlplakat, Medienbericht oder ein Treffen mit dem Kandidaten) zum Seitenbesuch angeregt worden.

Empirische Studien zeigen, dass zufällige oder politisch uninteressierte Menschen deutlich seltener politische Webseiten besuchen als politisch interessierte Menschen. Für einen Landtagskandidaten heißt dies, dass seine Internetpräsenz (z.B. die Webseite, Facebook-Profil, YouTube Kanal) eine spannende Möglichkeit ist, politisch interessierte Menschen zu erreichen. Bei der Gestaltung der Webseite und ihrer Inhalte ist es sinnvoll, sich an den Interessen dieser Besuchergruppe zu orientieren. In der Regel sind die Besucher von politischen Webseiten politische Unterstützer, politisch Interessierte aber in ihrer Wahlentscheidung noch Unentschlossene, und Journalisten. Kandidaten sollten darauf achten, dass ihre Webseite für diese Personen interessante Information leicht zugänglich anbietet.

Informationen über den Kandidaten (z.B. Persönliches, politische Leistungen, politische Ziele), Informationen über den Kampagnenverlauf (z.B. Berichte über Kampagnenereignisse, kommende Termine, Links zu Zeitungsartikel, die über die Kampagne oder den Kandidaten berichteten, oder auch Beiträge des Kandidaten selbst), Pressemitteilungen und Kontaktmöglichkeiten sollten direkt von der Startseite her erreichbar sein und regelmäßig aktualisiert werden.

Nutzt ein Kandidat auch andere Internetdienste (z.B. Facebook, Twitter oder YouTube) dann sollte auf die jeweiligen Profile auch direkt von der Startseite aus hingewiesen werden. Eine bewusst gestaltete und regelmäßig aktualisierte Webseite ist für Landtagskandidaten der günstigste Weg, politisch interessierten Menschen ihre Kandidatur zu begründen und sie unabhängig von der Berichterstattung der örtlichen Medien über den Kampagnenverlauf zu informieren. Bedingung hierfür ist allerdings, dass es Kandidaten interessierten Menschen leicht machen Ihre Internetangebote zu finden. Dies kann einerseits durch die technische Gestaltung der Seite geschehen, bei der darauf geachtet werden sollte, dass sie suchmaschinenfreundlich programmiert wurde, anderseits bedeutet dies jedoch auch, dass der Kandidat bei der Gestaltung von klassischen Kampagnenmitteln und öffentlichen Auftritten immer auch auf seine Internetseite hinweisen sollte.

Wozu und wann brauche ich als Landtagskandidat einen eigenen Twitter-Account oder Facebook-Profil bzw. eine Facebook-Fanseite?

Ein Profil auf einer Sozialen Netzwerkseite wie zum Beispiel Facebook oder Twitter kann für Landtagskandidaten eine interessante Ergänzung zu der klassischen Webseite darstellen. Mit einem Facebook-Profil oder einem Twitter-Account erleichtern Kandidaten interessierten Nutzern dieser Dienste den direkten Kontakt mit ihnen. Auch hier gilt, die meisten Netzwerk-Nutzer, die “Freund”, “Fan” oder “Follower” eines Politikers werden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits politisch interessiert.

Auch auf den Sozialen Netzwerkseiten kommunizieren Politiker also eher mit Unterstützern, Kritikern, Journalisten und einigen politisch Interessierten, aber unter Umständen noch in der Wahlfrage unentschlossenen Menschen. Sozialen Netzwerkseiten können für Landtagsabgeordnete aber nicht nur zur Kommunikation genutzt werden, sondern auch zur Koordination von Freiwilligen im Wahlkampf vor Ort. Wie nützlich Soziale Netzwerkseiten allerdings tatsächlich im Einzelfall sind, hängt stark von Wahlkampfstil des Kandidaten,der Internetnutzung seiner Unterstützer und der Netznutzung im Wahlkreis ab.

Muss ich diese Accounts selber pflegen?

Soziale Netzwerkseiten haben den Vorteil, dass sie ihren Nutzern einen direkten Zugang zu Politikern erlauben. Hier sind natürlich Politiker interessanter, die auf Fragen und Kommentare antworten und die ihre Beiträge selber schreiben. Sicher kann es gerade im Wahlkampf sinnvoll sein, dass Mitarbeiter des Kandidaten oder Mitglieder aus dem Unterstützerteam einzelne Beiträge auf den Profilen des Kandidaten veröffentlichen. Diese sollten dann aber auch entsprechend markiert werden.Wenn diese Beiträge allerdings die Mehrzahl aller Beiträge auf einem Profil ausmachen besteht die Gefahr, dass so das Profil für Unterstützer uninteressant wird.

Wie gehe ich mit kritischen Kommentaren um, z. B. auf der Facebook-Seite, im Blog, bei YouTube etc.? Löschen, beantworten, freischalten?

Vor kritischen Kommentaren online sollte man sich genauso wenig fürchten wie vor Kritik offline. Gerade der Wahlkampf ist die Zeit für den Austausch unterschiedlicher politischer Positionen. Dass sich dieser Austausch nun auch auf die Online-Angebote von Politikern ausweitet ist wenig überraschend.

Kritische Kommentare auf ihren Online-Angeboten sollten Kandidaten freischalten. In der Folge sollte der Profilinhaber oder seine Unterstützer dann aber auch mit eigenen Kommentaren auf diese Kritik reagieren. Eine Ausnahme sind hier beleidigende Kommentare, die man natürlich nicht veröffentlichen muss.

Was für eine Meldung/Ereignis ist es wert, in den sozialen Netzwerken veröffentlicht zu werden? Schreibe ich nur Politisches oder auch Privates?

Auf Sozialen Netzwerkseiten gibt es keinen Nachrichtenwert einzelner Beiträge. Erlaubt ist was gefällt. Und was gefällt bestimmen die “Freunde”, “Fans” und “Follower” im Zusammenspiel mit dem Inhaber des Profils. Bei der Entscheidung welche Art von Beiträgen sie veröffentlichen wollen sollten sich Kandidaten von ihrem eigenen Gefühl leiten lassen.

Manche Kandidaten arbeiten in ihrer Kampagne stark mit ihren persönlichen Eigenschaften und Attributen. Für sie kann die Veröffentlichung von eher persönlichen Beiträgen gut zu ihrem restlichen Kampagnenstil passen. Andere Kandidaten rücken eher Themen und die politische Arbeit in das Zentrum ihrer Kampagne. Für diese Kandidaten passen inhaltliche oder politische Beiträge wahrscheinlich besser zu ihrem gewohnten Kampagnenstil. Kandidaten müssen allerdings selber testen welche Art von Beiträgen von ihren Kontakten auf Sozialen Netzwerkseiten auf positive Reaktionen stösst und welche Beiträge eher ins Leere laufen. Da hier jeder Kandidat und jede Unterstützergruppe unterschiedlich ist, gibt es keine Lösung, die für alle Kandidaten passt.

Das Interview im Original gibt es auf der Seite der CDU NRW.

Portrait auf Politik Digital

Vor einigen Wochen führte Philipp Albrecht von politik-digital.de ein längeres Interview mit mir zu dem Spannungsfeld Wissenschaft und aktiver Mitarbeit in Kampagnen. Sein Artikel, der auf diesem Gespräch basiert, ist inzwischen erschienen.

“Andreas Jungherr: Zwischen Wahlkampf und Hörsaal.” Ein Interview von Philipp Albrecht mit Andreas Jungherr. politik-digital.de. 21/03/2012.

Interview on the State of Online Campaigning in Germany

Last Thursday Philipp Albrecht interviewed me for politik-digital.de on the state of online campaigning in Germany. We talked about some recent examples of successful online campaigns by political parties in Germany. In addition we discussed general functions of online elements in German campaigns: Die Zeit des Kampagnen-Twitterns ist vorbei.

Interview on the Use of Social Media by Political Activists

The Russian news agency Rosbalt recently published an interview with me on the use of social media by political activists. The interview was lead by Yulia Netesova. The original interview can be found here (in Russian). Here follows an English version:

1) How important is the fact that social media became a tool for grassroot-rioting?

Protesters use social media channels for the distribution of information. This information is used internally to organize the protest (for example: Where and when do we meet? Where is the police? What are the reactions of the politicians?) as well as externally to get news and pictures of the protests to an international public. Both these functions are not new. A few years ago protesters used mobile phones to achieve similar goals. The widespread use of social media introduces a new speed and scale to the process. This facilitates the decentralized organization of a protest and increases the international visibility of protesters and the reactions to them by governments. Still, this does not make social media the trigger or reason for the protests.

2) What kind of changes will this bring? Should we get ready for the age of censorship on behalf of the scared governments?

A growing adoption of social media tools by activists will lead to a higher international visibility of their causes. While traditional news media in the West largely ignored the Egyptian protests an international public was kept aware of the daily developments by social media channels. Also the internationally accessible video stream on the website of Al Jazeera was a very important source of documentation. Social media channels lead to a circumvention of news selection biases in the West, which in turn massively increased the visibility of the protests. This phenomenon is likely to increase. Also the use of social media tools allows protesters to document themselves and thus avoid the filter of traditional news organizations. The iconic potential of pictures taken with camera phones during protests was demonstrated during the recent protests in Iran and will likely reassert itself during the ongoing protests in Tunisia, Egypt, India, and Yemen.

The attempt of the Egyptian government to defuse the protests by cutting access to the internet has been largely futile. Thus it probably serves more as an example of the limited effect that censorship attempts by governments hold than as an use case for future events.

3) Are you enthusiastic or skeptic about the instrumentalization of the social media by the revolutionaries?

On the one hand it is inspiring to see how activists are able to use social media tools to organize collective action, on the other hand the widespread use of these tools can also increase the volatility of public opinion and thus negatively effect the stability of states. Right now it is easy to applaud the protests since they address issues in the countries in question that are widely seen as negative (i.e. corruption, authoritarian style of government) but there is no guarantee that these tools will only be used by political actors who follow commonly accepted goals. Social media tools are themselves no agents for good or evil. Their role in stabilizing or destabilizing states will always depend on the goals of the actors who use them.

4) How important were the social media in triggering those events (in Egypt, Tunisia, India, Yemen)? Were the riots spontaneous or orchestrated via social media?

It is to early to answer what the role of social media was in triggering these events. Again, I do not think that social media were the trigger let alone reason for the protests. For those one has to look at the situation in each of the countries in question. It seems likely though that social media tools helped to distribute the news of successful protests in Tunisia to other countries. Egypt, India, and Yemen were also, albeit for different reasons, in a volatile state. So maybe the news of the events in Tunisia helped to inspire activists in those countries to take to the streets and get their country specific demands heard.

5) How justified are the claims that behind the social media are the western powers who use them in order to bring change in authoritarian countries?

Again, it is to early to answer this question. Personally I tend to doubt the claims that Western powers orchestrated social media protest to achieve regime change in authoritarian countries. It seems to me much more likely that the protests are emergent phenomena, that started in each country out of different reasons. The common theme is their successful use of the internet as a communication medium. But this common element should not lead us to underestimate the different reasons and motivations between the protests. To assume Western powers as conductors of these events seems to me an oversimplification of the events.

Interview für Kommune21

In der aktuellen Ausgabe des Magazins Kommune21 findet sich ein Interview mit mir zum Thema Onlinekommunikation für Städte und Gemeinden. Natürlich fiel auch das Stichwort “Stuttgart 21”. Anbei der Text des Interviews oder hier als pdf.

Herr Jungherr, als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft KampagnenPraxis zeigen Sie Organisationen, wie sie das Internet für ihre Kommunikation erfolgreich nutzen können. Haben insbesondere Institutionen der öffentlichen Hand hier Nachholbedarf?

Ja. Dieser Nachholbedarf ist mit dem scheinbar geringen Anpassungsdruck von Kommunen an das Internet erklärbar. Politische Akteure waren spätestens seit dem Superwahljahr 2009 gezwungen, aktive Online-Präsenzen zu entwickeln. Verantwortlich dafür war die öffentliche Berichterstattung über die Online-Erfolge der Obama- Kampagne im Jahr 2008 und die damit plötzlich gestiegenen Erwartungen. Firmen haben ebenfalls ein großes Interesse daran, im Netz präsent zu sein, sei es zur Darstellung und Inszenierung der eigenen Marke oder um Kunden eine Dialogplattform zu bieten. Beispiele wie Dell-Hell oder United Breaks Guitars haben dazu geführt, dass viele Firmen Online-Kommunikation inzwischen sehr ernst nehmen. In den genannten Fällen sahen sich die Unternehmen Dell und United Airlines plötzlich heftiger Kritik im Netz gegenüber. Dieser Protest wurde so stark, dass die Firmeninhalte fast vollständig von den Inhalten der Kritiker verdrängt wurden. Die öffentliche Hand hat es da etwas leichter, weil sie quasi in zweiter Reihe steht. Wenn es in einer Kommune Probleme gibt, richtet sich der öffentliche Protest in der Regel erst einmal gegen die politischen Köpfe. Hier ist es interessant, ob Stuttgart 21 zu einer Änderung führt.

Wie verändern soziale Netzwerke das Kommunikationsverhalten der Bürger?

Soziale Netzwerke übernehmen gerade in jüngeren Altersgruppen zunehmend die Rolle von Informationsfiltern. Immer mehr Kommunikationsinhalte erreichen die Nutzer in Form von Links über ihre Freunde oder Kontakte auf dem jeweiligen Netzwerk. Dies gilt für Musikvideos und Angebote klassischer Medien ebenso wie für Materialien von politischen Akteuren. Und all diese Inhalte konkurrieren um die begrenzte Aufmerksamkeit der Nutzer. Der Nachrichtenwert wird dabei um einen sozialen Wert ergänzt: Die Frage ist nicht mehr, wie wichtig die Nachricht ist, sondern wer die Information verschickt hat.

Bürgerproteste gegen Großprojekte organisieren sich zunehmend in solchen Netzwerken. Wie können Kommunen hier gegenhalten?

Indem sie präsent sind. Momentan finden viele Diskussionen im Netz über Infrastrukturprojekte oder Kommunen fast ausschließlich ohne Beteiligung der Städte und Gemeinden statt. Das lässt sich sehr leicht erklären: Wenn eine Kommune ein Projekt kommunizieren will, beruft sie eine Pressekonferenz ein. Bürgerinitiativen haben es da schwerer, die öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Deshalb haben sie schon früh den Weg ins Netz gefunden und informieren auf eigenen Web- Seiten und in sozialen Netzwerken über ihre Anliegen. Dies tun Kommunen nur unzureichend. Der interessierte Bürger trifft im Web also meist nur auf die Informationen der Kritiker von umstrittenen Projekten. Hier gilt es für Städte und Gemeinden, frühzeitig auf eigenen Internet-Seiten und Profilen in sozialen Netzwerken mit verständlich aufbereiteten Inhalten über ihre Projekte zu informieren.

Wie würden Sie eine Kampagne für ein bei Bürgern umstrittenes Vorhaben einer Stadt aufsetzen?

Kommunen müssen frühzeitig mögliche Streitpunkte identifizieren. Hier bieten sich demoskopische Umfragen mit offenen Fragen bei von dem Projekt betroffenen Bürgern an. Auf Basis dieser Ergebnisse sollte entweder die Projektplanung angepasst werden oder frühzeitig Informationsveranstaltungen stattfinden, welche die Streitpunkte adressieren und entschärfen. Im eher fortgeschrittenen Stadium sollte das Projekt auf einer Internet-Seite ausführlich und verständlich dargestellt werden. Eine eigene Projektpräsenz in sozialen Netzwerken ist in den meisten Fällen wahrscheinlich übertrieben. Allerdings sollten die Informationen auf der Web-Seite leicht verlinkbar sein, sodass Unterstützer sie in sozialen Netzwerken verwenden können. Zusätzlich sollten Stadt oder Projektplaner verfolgen, ob und wie im Netz über das Vorhaben gesprochen wird. Wenn sich dort gesteigertes Interesse zeigt, ist es entscheidend, dass Stadt oder Planer aktiv auf die vorgebrachten Kritikpunkte reagieren.

Wie muss eine Kommunikationsstrategie aussehen, um die Bürger zu überzeugen?

Ziel sollte es sein, bei interessierten Bürgern um Zustimmung für das Projekt zu werben. Hierzu gilt es, relevante Informationen verständlich und leicht zugänglich zu präsentieren. Wichtig ist aber auch, dass der Prozess nicht irgendwann auf halber Strecke als abgeschlossen betrachtet wird. Die Stadt muss über den gesamten Verlauf der Planung und Umsetzung eines Projektes versuchen, Ängste und Sorgen der Bürger zu identifizieren und dazu klar Stellung zu beziehen.

Welche technischen Hilfsmittel empfehlen Sie?

Inzwischen gibt es sehr gute und einfach zu bedienende Hilfsmittel, um online zu kommunizieren. Allerdings ist die technische Entwicklung so schnell, dass es wenig hilft, einzelne Anbieter zu empfehlen. Bei der Wahl der Hilfsmittel oder Online-Plattformen sollten sich Kommunen vielmehr zwei Fragen stellen: Wo lassen sich Informationen umfassend und leicht zugänglich bereitstellen und wo halten sich die Adressaten der Kommunikationsinhalte auf? Als Antwort auf die erste Frage bietet sich momentan das Betreiben einer eigenen Web-Seite an. Um die zweite Frage zu beantworten, muss geprüft werden, welche sozialen Netzwerke in der Region stark genutzt werden.

Wie beurteilen Sie die Wirkung von Social Media, führen soziale Netzwerke zu neuen Formen der politischen Partizipation oder wird deren Einfluss überschätzt?

Die zunehmend aktive Nutzung von Social Media, wie zum Beispiel Blogs, Podcasts und Videos, in Kombination mit der steigenden Popularität von sozialen Netzwerken führt zu einer stärkeren Sichtbarkeit von politischem Protest. Interpretiert man dies positiv, führen originelle Videos, Poster-Remixe und hohe Unterstützerzahlen auf Facebook dazu, dass die politische Elite stärker basisdemokratisch kontrolliert wird. Interpretiert man es negativ, führt es dazu, dass durch polarisierende Inhalte und hohe Unterstützerzahlen für Ad-hoc-Kampagnen ein quasi-plebiszitäres Element in den politischen Prozess drängt, das durch das Grundgesetz in dieser Form bewusst nicht vorgesehen war. Welche Wertung man der Entwicklung auch gibt, öffentliche Akteure sehen sich einer volatileren öffentlichen Meinung gegenüber, in der auch Anliegen von Kleingruppen plötzlich eine hohe Sichtbarkeit und Unterstützung erfahren können. Vor diesem Hintergrund langfristige und nachhaltige Projekte umzusetzen, ist eine neue Herausforderung.

Das Interview führte Alexander Schaeff.

Präsent sein. Ein Interview von Alexander Schaeff mit Andreas Jungherr. Kommune21. 1/2011. S.20f.