Author Andreas Jungherr

#Politsnack: Unterstützung durch Daten für Kampagnen vor Ort

Diesen Dienstag habe ich im #Politsnack der Konrad-Adenauer-Stiftung über die Rolle von Daten in Kampagnen gesprochen. Eine Audioaufzeichnung der Präsentation gibt es hier.

Die Präsentation stützte sich im Wesentlichen auf meinen bald in der Zeitschrift für Politikberatung erscheinenden Aufsatz “Datengestützte Verfahren im Wahlkampf”, den es hier als Preprint gibt.

Hier Links zu den von mir während der Präsentation angesprochenen weiterführende Texte:

Baumer, B. S., Kaplan, D. T. und Horton, N. J. (2017) Modern Data Science with R. Boca Raton, FL: Chapman & Hall/CRC Press.

Green, D. P. und Gerber, A. S. (2015) Get Out the Vote: How to Increase Voter Turnout (3. Auflage). Washington, DC: Brookings Institution Press.

Güldenzopf, R. (2017) Was Funktioniert? A/B-Tests in der Politischen Kommunikation. adenauer campus. (4. April).

Hersh, E. D. (2015) Hacking the Electorate: How Campaigns Perceive Voters. New York, NY: Cambridge University Press.

Issenberg, S. (2012) The Victory Lab: The Secret Science of Winning Campaigns. New York, NY: Crown Publishers.

Jungherr, A. (2017) Datengestützte Verfahren im Wahlkampf. ZPB Zeitschrift für Politikberatung. (Im Erscheinen).

Kaplan, D. T. (2012) Statistical Modeling: A Fresh Approach (2. Auflage). Project MOSAIC.

Nickerson, D. W. und Rogers, T. (2014) Political Campaigns and Big Data. The Journal of Economic Perspectives, 28, 51–74. doi:10. 1257/jep.28.2.51

Nielsen, R. K. (2012) Ground Wars: Personalized Communication in Political Campaigns. Princeton, NJ: Princeton University Press.

The Impact of Technology on Political Communication: The Printing Press, Newspapers, Television, and the Internet (Syllabus, Konstanz 2017)

Another spring, another spring semester! Once again, I am very happy to be teaching a topic very close to my current work. This semester, I offer a course on the role of technological innovation for politics and political communication. The goal of the course is to introduce students to a theoretical toolkit allowing them to conceptualize and empirically analyze interlinked processes of technological innovation and political change.

In this, I see the course as part of the current development in the field of trying to take the exceptionalism out of research on political and social consequences of digital innovation. Here, much is to be gained by increasing the sophistication in the theoretical debate and the conceptualization of underlying phenomena, effects, and trends. At least in political science, this means extending the canon of commonly used theories. This is what we will attempt in this course.

Description: Changes in media technology have historically impacted political processes, structures, and patterns of political communication. Currently, we are living through one of these transitions in form of the digitalization. This makes it paramount to understand its likely impact on politics. During the course, students will be introduced to central approaches in conceptualizing and measuring the effects of technological change on politics. In the first part of the course, we will focus on conceptualizing the relationship between technology, communication, and politics. Following this, we will focus on specific technologies and their relationship with politics. In the last section of the course, we will discuss the use of digital technology in specific areas of politics.

Syllabus: The Impact of Technology on Political Communication: The Printing Press, Newspapers, Television, and the Internet

Datengestützte Verfahren im Wahlkampf: Wie funktionieren sie und was können sie wirklich?

Für ein bevorstehendes Sonderheft der ZPB Zeitschrift für Politikberatung haben mich Svenja Falk, Andrea Römmele, Ralf Güldenzopf und Mario Voigt eingeladen, einen Artikel zur Funktion und Rolle von datengestützten Verfahren im Wahlkampf zu schreiben. Der Einladung bin ich natürlich gerne gefolgt. Da das Thema in Vorbereitung auf die kommende Bundestagswahl immer wieder eine Rolle spielt, anbei schon einmal den Preprint des Textes. Die Finalversion gibt es dann im Heft!

Abstract: Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird die Nutzung datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen viel diskutiert. Kampagnenmacher, Journalisten und Öffentlichkeit stellt sich die Frage nach dem Potential und möglichen Gefahren der Nutzung großer Datensätze und statistischer Modelle durch politische Organisationen. Auch wenn das Thema viel Aufmerksamkeit erhält, sind konkrete Nutzungsweisen und Wirkungen datengestützter Verfahren im Wahlkampf nur sehr vage umrissen und verstanden. Vor diesem Hintergrund bietet der vorliegende Artikel einen Überblick der Rolle datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen. Der Text beginnt mit einer Darstellung der grundsätzlichen Funktion datengestützter Verfahren im Wahlkampf, skizziert unterschiedliche Ansätze zur datengestützten Wähleransprache und diskutiert die Nutzung von Daten zur Evaluation von Kampagnentätigkeit und als rhetorisches Element von Kampagnen. Nach dieser Darstellung grundsätzlicher Nutzungsarten datengestützter Verfahren im Wahlkampf zeigt der Artikel wichtige Rahmenbedingungen auf und diskutiert, wie die Wirkung entsprechender Verfahren zu messen ist. Auf dieser Basis stellt der Artikel die Nutzung datengestützter Verfahren in deutschen Kampagnen dar. Der Artikel schließt mit Leitfragen, mit denen die Nutzung und Wirkung datengestützter Verfahren im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 2017 untersucht und diskutiert werden kann.

In dem Text diskutiere ich drei grundlegende Nutzungsarten datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen und ihre Bedeutung für deutsche Wahlkämpfe:

    1. Die Senkung von Wahlkampfkosten durch die Konzentration von Kampagnenkontakten auf vielversprechende Ansprechpartner;
    2. die Steigerung von durchgeführten Kontakten durch Effizienzgewinn in der Durchführung von Kontakten; und
    3. die Generierung wohlwollender Presseberichterstattung.

Hier geht es mir auch darum, einige der momentan in der Debatte umherschwirrenden übertriebenen Erwartungen an die Macht von Daten in der politischen Kommunikation zu erden:

Es entsteht schnell der Eindruck, dass eine den Daten innewohnende Magie Kampagnen eine gespenstische Sicherheit in der Auswahl und Ansprache von Wahlberechtigten gibt. Dies ist natürlich Unsinn. Datengestützte Verfahren dienen der Verringerung von Unsicherheit und damit der Senkung von Kosten vergeblicher Kontaktversuche für Kampagnen. Dies ist weit entfernt von tatsächlicher Sicherheit über die zu erwartende Reaktion von angesprochenen Wahlberechtigten. Auch wird allgemein die Qualität der Kampagnen vorliegenden Daten und der darauf entwickelten Modelle überschätzt. Ganz grundsätzlich basiert das Potential datengestützter Verfahren im Wahlkampf auf drei entscheidenden Elementen:

    1. Es müssen verlässliche Informationen über das Verhalten und die Einstellungen von Wahlberechtigten vorliegen, die für Kampagnen interessant sind und die sie beeinflussen wollen;
    2. Es müssen ausreichende personenbezogene Informationen zu Wahlberechtigten vorliegen, die Rückschlüsse auf Verhalten oder Einstellungen erlauben (siehe 1);
    3. Die Beziehungen zwischen Verhalten und Einstellungen von Wahlberechtigten (siehe 1) und den über sie vorliegenden Informationen (siehe 2) müssen über den Zeitverlauf zwischen Modellentwicklung und Wahltag stabil bleiben.

Dies sind anspruchsvolle Bedingungen, die bei weitem nicht für alle diskutierten Nutzungsweisen datengestützter Verfahren gegeben sind. In der Diskussion der Rolle datengestützter Verfahren im Wahlkampf ist also Gelassenheit ratsam und gesunde Skepsis gegenüber den Werbeversprechen reisender Datenhändler und der mit statistischen Modellen bewehrten Zukunftsschauer angebracht.

Andreas Jungherr. 2017. Datengestützte Verfahren im Wahlkampf. ZPB Zeitschrift für Politikberatung. (Im Erscheinen).

Which Political Side Profits from the Internet?

For a piece in The New York Times on the role of the internet in democracies, Thomas B. Edsall reached out for a quick assessment of which political forces tend to profit from digital technology:

It seems to me this is not a question about ideological placement but more about organizational or movement strategy. As long as I am in opposition, the payoff is higher in investing in digital infrastructure and thereby channeling the activities and enthusiasm of my supporters than when in power. So I would expect a re-emergence of political activity, for example in the form of alternative news sources, on the liberal side in the coming years.

Thomas B. Edsall. How the Internet Threatens Democracy. The New York Times. 2017/03/02.

Wirkung politischer Kommunikation: Ein Test politischer Informationsbriefe im Feldexperiment

(c) Konrad-Adenauer-Stiftung

(c) Konrad-Adenauer-Stiftung

Letztes Jahr hatte ich Gelegenheit, in einem Kooperationsprojekt in einem für mich neuen Forschungsfeld zu arbeiten: Der Wirkung politischer Kommunikation unter Feldbedingungen.

Gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall, dem Lehrstuhls für Politische Psychologie der Universität Mannheim und meiner Juniorprofessur für Social Science Data Collection and Analysis an der Universität Konstanz stellten wir uns die Frage ob und wie politische Informationsbriefe in Kampagnen wirken.

Gelingt es tatsächlich, Menschen von den Anliegen des Briefes zu überzeugen? Überzeuge ich tatsächlich Unentschlossene oder motiviere ich ohnehin schon überzeugte nur stärker? Kann ich Gegner überzeugen oder bestärke ich sie nur in ihrer Meinung? Diese Fragen testeten wir in einer Kombination aus Feld- und Fragebogenexperiment.

Kurz gesagt: Informationsbriefe wirken. Empfänger unterstützten TTIP nach Erhalt des Briefs stärker als gleichzeitig Befragte, die keinen Brief erhielten. Diese Wirkung lässt über Zeit nach war aber etwa zwei Wochen nach Erhalt des Briefes vorhanden. Kontrollierte Experimente bieten politischen Akteuren klaren Erkenntnisgewinn über die Wirkung ihrer gewählten Werkzeuge und erlauben so eine präzisere Steuerung von Kommunikation und Ressourcenverwendung in Kampagnen.

Im Rahmen der Internationalen Konferenz für Politische Kommunikation (IKPK 2016) der Konrad-Adenauer-Stiftung stellte ich einige vorläufige Zwischenergebnisse unserer Studie vor. Die Videoaufzeichnung der Präsentation gibt schon einmal einen ersten Einblick in unser Vorgehen und vorläufige Ergebnisse.

In einem Working Paper der Konrad-Adenauer-Stiftung stellen wir unser Forschungsdesign und erste Ergebnisse detaillierter vor. Alexander Wuttke bietet eine etwas methodisch konzentrierter Diskussion unsere Studie. Dies sind erst einmal vorläufige Ergebnisse unserer Untersuchung. In den kommenden Monaten werden wir deutlich tiefer in die Daten einsteigen und die Untersuchung und Ergebnisse detaillierter und präziser aufarbeiten. So, watch this space for more to come soon.

Working Paper

  • Randbemerkungen zur Rolle von “Filterblasen” in der politischen Meinungsbildung

    Das ausgehende Jahr 2016 sah viel Aufregung über vermeintliche Wirkungen des Internets in der politischen Meinungsbildung. Im Rahmen dieser Debatte hat mich der Tagesspiegel um meine Einschätzung zu Teilaspekten dieser Debatte gefragt.

    In Reaktion hierauf gab ich eine kurze Einschätzung zur aus meiner Sicht überschätzten Rolle von Filterblasen für politische Meinungsbildung:

    Das Verführerische und zugleich auch Gefährliche an der Filterblasen-These ist, dass sie versucht, über einen einfachen und intuitiven Mechanismus unliebsame politische Phänomene zu erklären. Wenn Algorithmen Verantwortung für politische Polarisierung, mangelnde Empathie oder zunehmende politische Radikalisierung tragen sollten, dann liegt es nahe, diese Algorithmen anzupassen, und sofort sind alle Probleme politischer Meinungsbildung durch das „richtige“ Design digitaler Dienste gelöst.

    (…)

    Wenn wir die tatsächliche Rolle des Internets im politischen Meinungsbildungsprozess verstehen wollen, hilft es wenig, einzelne technische Phänomene isoliert zu betrachten. Stattdessen ist die sorgfältige Untersuchung des Wechselspiels unterschiedlicher individueller, gesellschaftlicher, struktureller und technologischer Faktoren notwendig. Befunde solcher Untersuchungen werden zwar keine vergleichbar intuitiven und schlagzeilenfreundlichen Begriffe prägen wie den der Filterblase. Dafür versprechen sie aber tatsächliche Erkenntnisse über die Dynamik politischer Meinungsbildungsprozesse der Gegenwart.

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