March 2017
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Month March 2017

Datengestützte Verfahren im Wahlkampf: Wie funktionieren sie und was können sie wirklich?

Für ein bevorstehendes Sonderheft der ZPB Zeitschrift für Politikberatung haben mich Svenja Falk, Andrea Römmele, Ralf Güldenzopf und Mario Voigt eingeladen, einen Artikel zur Funktion und Rolle von datengestützten Verfahren im Wahlkampf zu schreiben. Der Einladung bin ich natürlich gerne gefolgt. Da das Thema in Vorbereitung auf die kommende Bundestagswahl immer wieder eine Rolle spielt, anbei schon einmal den Preprint des Textes. Die Finalversion gibt es dann im Heft!

Abstract: Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 wird die Nutzung datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen viel diskutiert. Kampagnenmacher, Journalisten und Öffentlichkeit stellt sich die Frage nach dem Potential und möglichen Gefahren der Nutzung großer Datensätze und statistischer Modelle durch politische Organisationen. Auch wenn das Thema viel Aufmerksamkeit erhält, sind konkrete Nutzungsweisen und Wirkungen datengestützter Verfahren im Wahlkampf nur sehr vage umrissen und verstanden. Vor diesem Hintergrund bietet der vorliegende Artikel einen Überblick der Rolle datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen. Der Text beginnt mit einer Darstellung der grundsätzlichen Funktion datengestützter Verfahren im Wahlkampf, skizziert unterschiedliche Ansätze zur datengestützten Wähleransprache und diskutiert die Nutzung von Daten zur Evaluation von Kampagnentätigkeit und als rhetorisches Element von Kampagnen. Nach dieser Darstellung grundsätzlicher Nutzungsarten datengestützter Verfahren im Wahlkampf zeigt der Artikel wichtige Rahmenbedingungen auf und diskutiert, wie die Wirkung entsprechender Verfahren zu messen ist. Auf dieser Basis stellt der Artikel die Nutzung datengestützter Verfahren in deutschen Kampagnen dar. Der Artikel schließt mit Leitfragen, mit denen die Nutzung und Wirkung datengestützter Verfahren im Verlauf des Bundestagswahlkampfs 2017 untersucht und diskutiert werden kann.

In dem Text diskutiere ich drei grundlegende Nutzungsarten datengestützter Verfahren in Wahlkämpfen und ihre Bedeutung für deutsche Wahlkämpfe:

    1. Die Senkung von Wahlkampfkosten durch die Konzentration von Kampagnenkontakten auf vielversprechende Ansprechpartner;
    2. die Steigerung von durchgeführten Kontakten durch Effizienzgewinn in der Durchführung von Kontakten; und
    3. die Generierung wohlwollender Presseberichterstattung.

Hier geht es mir auch darum, einige der momentan in der Debatte umherschwirrenden übertriebenen Erwartungen an die Macht von Daten in der politischen Kommunikation zu erden:

Es entsteht schnell der Eindruck, dass eine den Daten innewohnende Magie Kampagnen eine gespenstische Sicherheit in der Auswahl und Ansprache von Wahlberechtigten gibt. Dies ist natürlich Unsinn. Datengestützte Verfahren dienen der Verringerung von Unsicherheit und damit der Senkung von Kosten vergeblicher Kontaktversuche für Kampagnen. Dies ist weit entfernt von tatsächlicher Sicherheit über die zu erwartende Reaktion von angesprochenen Wahlberechtigten. Auch wird allgemein die Qualität der Kampagnen vorliegenden Daten und der darauf entwickelten Modelle überschätzt. Ganz grundsätzlich basiert das Potential datengestützter Verfahren im Wahlkampf auf drei entscheidenden Elementen:

    1. Es müssen verlässliche Informationen über das Verhalten und die Einstellungen von Wahlberechtigten vorliegen, die für Kampagnen interessant sind und die sie beeinflussen wollen;
    2. Es müssen ausreichende personenbezogene Informationen zu Wahlberechtigten vorliegen, die Rückschlüsse auf Verhalten oder Einstellungen erlauben (siehe 1);
    3. Die Beziehungen zwischen Verhalten und Einstellungen von Wahlberechtigten (siehe 1) und den über sie vorliegenden Informationen (siehe 2) müssen über den Zeitverlauf zwischen Modellentwicklung und Wahltag stabil bleiben.

Dies sind anspruchsvolle Bedingungen, die bei weitem nicht für alle diskutierten Nutzungsweisen datengestützter Verfahren gegeben sind. In der Diskussion der Rolle datengestützter Verfahren im Wahlkampf ist also Gelassenheit ratsam und gesunde Skepsis gegenüber den Werbeversprechen reisender Datenhändler und der mit statistischen Modellen bewehrten Zukunftsschauer angebracht.

Andreas Jungherr. 2017. Datengestützte Verfahren im Wahlkampf. ZPB Zeitschrift für Politikberatung. (Im Erscheinen).

Which Political Side Profits from the Internet?

For a piece in The New York Times on the role of the internet in democracies, Thomas B. Edsall reached out for a quick assessment of which political forces tend to profit from digital technology:

It seems to me this is not a question about ideological placement but more about organizational or movement strategy. As long as I am in opposition, the payoff is higher in investing in digital infrastructure and thereby channeling the activities and enthusiasm of my supporters than when in power. So I would expect a re-emergence of political activity, for example in the form of alternative news sources, on the liberal side in the coming years.

Thomas B. Edsall. How the Internet Threatens Democracy. The New York Times. 2017/03/02.