January 2017
Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun
« Nov    
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Month January 2017

Wirkung politischer Kommunikation: Ein Test politischer Informationsbriefe im Feldexperiment

(c) Konrad-Adenauer-Stiftung

(c) Konrad-Adenauer-Stiftung

Letztes Jahr hatte ich Gelegenheit, in einem Kooperationsprojekt in einem für mich neuen Forschungsfeld zu arbeiten: Der Wirkung politischer Kommunikation unter Feldbedingungen.

Gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall, dem Lehrstuhls für Politische Psychologie der Universität Mannheim und meiner Juniorprofessur für Social Science Data Collection and Analysis an der Universität Konstanz stellten wir uns die Frage ob und wie politische Informationsbriefe in Kampagnen wirken.

Gelingt es tatsächlich, Menschen von den Anliegen des Briefes zu überzeugen? Überzeuge ich tatsächlich Unentschlossene oder motiviere ich ohnehin schon überzeugte nur stärker? Kann ich Gegner überzeugen oder bestärke ich sie nur in ihrer Meinung? Diese Fragen testeten wir in einer Kombination aus Feld- und Fragebogenexperiment.

Kurz gesagt: Informationsbriefe wirken. Empfänger unterstützten TTIP nach Erhalt des Briefs stärker als gleichzeitig Befragte, die keinen Brief erhielten. Diese Wirkung lässt über Zeit nach war aber etwa zwei Wochen nach Erhalt des Briefes vorhanden. Kontrollierte Experimente bieten politischen Akteuren klaren Erkenntnisgewinn über die Wirkung ihrer gewählten Werkzeuge und erlauben so eine präzisere Steuerung von Kommunikation und Ressourcenverwendung in Kampagnen.

Im Rahmen der Internationalen Konferenz für Politische Kommunikation (IKPK 2016) der Konrad-Adenauer-Stiftung stellte ich einige vorläufige Zwischenergebnisse unserer Studie vor. Die Videoaufzeichnung der Präsentation gibt schon einmal einen ersten Einblick in unser Vorgehen und vorläufige Ergebnisse.

In einem Working Paper der Konrad-Adenauer-Stiftung stellen wir unser Forschungsdesign und erste Ergebnisse detaillierter vor. Alexander Wuttke bietet eine etwas methodisch konzentrierter Diskussion unsere Studie. Dies sind erst einmal vorläufige Ergebnisse unserer Untersuchung. In den kommenden Monaten werden wir deutlich tiefer in die Daten einsteigen und die Untersuchung und Ergebnisse detaillierter und präziser aufarbeiten. So, watch this space for more to come soon.

Working Paper

  • Randbemerkungen zur Rolle von “Filterblasen” in der politischen Meinungsbildung

    Das ausgehende Jahr 2016 sah viel Aufregung über vermeintliche Wirkungen des Internets in der politischen Meinungsbildung. Im Rahmen dieser Debatte hat mich der Tagesspiegel um meine Einschätzung zu Teilaspekten dieser Debatte gefragt.

    In Reaktion hierauf gab ich eine kurze Einschätzung zur aus meiner Sicht überschätzten Rolle von Filterblasen für politische Meinungsbildung:

    Das Verführerische und zugleich auch Gefährliche an der Filterblasen-These ist, dass sie versucht, über einen einfachen und intuitiven Mechanismus unliebsame politische Phänomene zu erklären. Wenn Algorithmen Verantwortung für politische Polarisierung, mangelnde Empathie oder zunehmende politische Radikalisierung tragen sollten, dann liegt es nahe, diese Algorithmen anzupassen, und sofort sind alle Probleme politischer Meinungsbildung durch das „richtige“ Design digitaler Dienste gelöst.

    (…)

    Wenn wir die tatsächliche Rolle des Internets im politischen Meinungsbildungsprozess verstehen wollen, hilft es wenig, einzelne technische Phänomene isoliert zu betrachten. Stattdessen ist die sorgfältige Untersuchung des Wechselspiels unterschiedlicher individueller, gesellschaftlicher, struktureller und technologischer Faktoren notwendig. Befunde solcher Untersuchungen werden zwar keine vergleichbar intuitiven und schlagzeilenfreundlichen Begriffe prägen wie den der Filterblase. Dafür versprechen sie aber tatsächliche Erkenntnisse über die Dynamik politischer Meinungsbildungsprozesse der Gegenwart.

    Beitrag