Organisationskultur als tatsächliche Lektion der Obama-Kampagne für den deutschen Wahlkampf

Die US-Wahl ist noch keine Woche vorbei und schon zeichnet sich ab, dass Innovationen der demokratischen Kampagnenführung in ihrer Bedeutung für den deutschen Wahlkampf wenig zielführend interpretiert werden: Anstelle die gezielte Wähler-Mobilisierung über große Datenbanken mit detaillierten Datensätzen als für Deutschland nicht durchführbar zu erklären (da Geld für den Aufbau der Datenbanken fehlt, bzw. es rechtlich für Parteien nicht möglich ist, vergleichbare Datensätze kommerziell einzukaufen) und es dabei zu belassen wäre es sinnvoller, sich zwei grundlegende Elemente demokratischer Kampagnen seit 2004 genauer anzusehen:

1. Eine Veränderung der Kampagnenkultur weg von anekdotischem Expertenwissen hin zu quantitativ belegbaren Erkenntnissen durch die Nutzung von Experimenten in Kampagnen;

und

2. Die gezielte Ausbildung von Freiwilligen in praktischen Fragen der Kampagnenführung on- und offline durch verschiedene Organisationen aus dem Umfeld der demokratischen Partei (zB New Organizing Institute).

Beide dieser Elemente haben die effektive Nutzung von Datenbanken und quantitativen Modellen für die gezielte Mobilisierung potentieller Unterstützer erst möglich gemacht und beide dieser Elemente wären ohne Weiteres auch in deutschen Kampagnen anwendbar. Es geht also nicht darum, ob spezifische Werkzeuge und Methoden der Obama-Kampagne in Deutschland verwendbar sind. Die Frage ist eher, ob wir aus der Organisationskultur der Kampagne und ihres Umfelds lernen können.